Hude - Einen Raum für Gedanken, Sorgen und Gebete rund um den Krieg in der Ukraine bot das ökumenische Friedensgebet in der St. Elisabethkirche in Hude am Freitagabend. Die wegen der Corona-Pandemie begrenzten Sitzplätze reichten gerade aus, um all den Menschen einen Platz in dem Kirchenschiff zu geben, die sich um die Frauen, Kinder und Männer in der Ukraine sorgen und deren Leben durch Waffengewalt und Kriegsverbrechen bedroht sehen und Fragen nach dem Weg zum Frieden stellen. Das betonte Pastor Reiner Backenköhler.
Wohnraum gesucht
Gestaltet werden die Friedensgebete von engagierten Huderinnen und Hudern und den Pastoren. Mit dabei war am Freitagabend auch das seit 25 Jahren in Hude lebende Kirchenmusikerehepaar Mila und Alexander Potiyenko. Beide sind gebürtige Ukrainer, die sich sehr besorgt um Freunde und Angehörige zeigen. Im Gottesdienst spielten sie von der Empore eingangs ein Gebet des ukrainischen Komponisten Lysenko aus dem 19. Jahrhundert. Ein Zwischenspiel war von Mila Potiyenko mit einem Ausschnitt aus dem Musical Forest Gump zu hören. Zum Abschluss ließ Alexander Potiyenko eine Eigenkomposition unter dem Titel Cantilese erklingen.
Bei Mila und Alexander Potiyenko ist die Betroffenheit angesichts der Geschehnisse in ihrer Heimat groß. „Wir haben viele Kontakte in die Ukraine, zu Freunden aber auch zu meiner Cousine und ihren Mann.“ Das Paar lebt im Osten des großflächigen Landes, wo der Krieg seinen Anfang nahm. „Seit einer Woche haben wir keinen Kontakt mehr zu ihnen. Das Gebäude mit ihrer Wohnung ist zerstört. Die Fotos haben wir noch bekommen. Wir machen uns sehr große Sorgen um sie“, schilderte Potiyenko gegenüber unserer Redaktion die große Betroffenheit.
Inzwischen sei eine befreundete Familie mit drei Erwachsenen und einem einjährigen Kind im Zug in Richtung Deutschland unterwegs, berichteten sie am Wochenende. „Viele wollen in Sicherheit kommen. Deswegen suchen wir dringend, zunächst für das eine Paar, eine Wohnung, möglichst hier in Hude – und, wenn möglich, noch weitere Unterbringungsmöglichkeiten“, so Potiyenkos. Sie bitten darum, Kontakt über die Kirchengemeinde unter der Rufnummer 04408/913291 aufzunehmen.
„Wir sind für die große Hilfsbereitschaft überaus dankbar und hoffen, viele unsere Freunde hier zu sehen. Aber auch, dass es unserer Cousine mit ihrem Mann gut geht.“ Bewegende Aussagen, die wohl kaum jemanden kalt lassen. Nicht zuletzt deshalb ist die Hilfsbereitschaft groß.
Pastor Backenköhler sprach in dem Friedensgebet von den Wertigkeiten und Gegensätzen. Er verglich ein Stück Eisen mit einem Luftballon in Herzform. Vom Gewicht sei Eisen eindeutig schwerer. Das kalte Material finde sich in den Panzern wieder, die Macht ausstrahlten.
Bewegende Aussagen
Ganz anders sei es bei dem Luftballon. Der symbolisiere eine Seele, die kaum das Gewicht eines Wassertropfens oder einer Träne habe. Gegen das gepanzerte Eisen hätte eine einzige Seele kein Gewicht. Wenn sich aber alle auf den Weg machten, habe nur ein Ballon mehr Kraft als 1000 Panzer.
