Wildeshausen - Überraschender Wechsel an der Spitze der Wildeshauser Schützengilde: Der bisherige Oberst Wilhelm Meyer ist von seinem Amt zurückgetreten. Nach dem Statuten rückt der dienstälteste Offizier, der das 75. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, an die Spitze – das ist der bisherige Oberstleutnant Friedrich Ahlers.
„Persönliche Gründe“ hätten ihn zu dem Schritt bewogen, sagte Wilhelm Meyer, kurz Willi genannt, am Montag. „Ich werde 78 Jahre alt, da kann man mal ans Aufhören denken“. Was auf Beobachter und auch viele Gilde-Kenner spontan wirkte, sei in seinem engeren Umfeld schon länger bekannt gewesen, so Meyer, der das Amt des Oberst 2016 von Ernst Frost übernommen hatte.
Entlastung abgewartet
Warum Meyer nicht das große Forum auf der Generalversammlung am 17. Februar nutzte, erklärt der Oberst a.D. so: „Wir hatten eine sehr gute Generalversammlung mit einem ruhigen Verlauf. Die dort erfolgte einstimmige Entlastung war für mich das Signal, dass ich aufhören kann.“ Am vergangenen Mittwoch habe er dann den Offiziersstab über seinen Rücktritt informiert.
Mit der Sicherstellung des Königsschießens dank eines neuen Papagoy aus Kunststoff und der beschlossenen Beitragserhöhung um zehn Euro seien von der Generalversammlung wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Wildeshauser Schützengilde getroffen worden, betonte Meyer. „Das verschafft uns Spielraum, vor allem auch für das Jubiläum 2028.“ Dann feiert die Gilde ihr 625-jähriges Bestehen.
Das hat auch schon der neue Oberst im Blick: Friedrich Ahlers, den alle Fidi rufen, räumte aber ein, dass er „erstmal im Amt ankommen“ müsse. Auch ihn habe der Rücktritt von Willi Meyer überrascht, obwohl er mit dem bisherigen Oberst jahrzehntelang eng zusammengearbeitet habe. Jetzt wird das Schaffermahl am 13. März sein erster öffentlicher Termin als Oberst der Gilde. Dass Ahlers, der von 2015 bis 2023 auch als Plattdeutsch-Beauftragter der Stadt amtierte, die Gäste bei der Traditionsveranstaltung im historischen Rathaussaal auf Platt ansprechen wird, darf als sicher gelten.
Mit 74 Jahren ist Friedrich Ahlers nur drei Jahre jünger als sein Vorgänger. Er gehört der Gilde seit 1976 an und wurde 1985 zum Schaffer gewählt. Danach durchlief der alle Offiziersränge bis zum Oberstleutnant.
Neue Herausforderungen
Als Oberst wird er sich in den kommenden Jahren neuen Herausforderungen stellen müssen, etwa der Frage, ob und wie die Gilde sich auch für Frauen öffnen wird. Ein Vorstoß zur Teilnahme von Mädchen am Kinderschützenfest wurde auf der Generalversammlung thematisiert. Das habe für ihn nicht erste Priorität, sagte Ahlers. Außerdem werde der größte Teil seiner Funktion durch die Statuten vorgegeben. Aber, so der Oberst: „Ich werde einige Dinge anders machen, die meinem Naturell entsprechen.“
