Hude/Kirchkimmen - Die Vergangenheit in die Gegenwart zu bringen und ihr damit eine neue Gestalt zu verleihen, das ist der Ansatz des Künstlers Martin Paulus. In der Galerie am Stall in Hude ist er ein alter Bekannter. Immerhin stellt er dort seit 2011 immer wieder aus. In seiner neuesten Ausstellung „Spolia“, die am Sonntag, 15. Januar, starten wird, gibt es aber durchaus eine Veränderung zu beobachten.
Werke nach Hude geholt
Nach „Spolia“ folgt eine Ausstellung der Berliner Künstlerin Andrea Imwiehe zusammen mit dem Bremer Künstler Mirsad Herenda vom 19. März bis zum 23. April. Es wird unter anderem Malerei zum Thema Natur und Zivilisationsspuren gezeigt.
Im September zeigt die deutsch-französische Bildhauerin Martine Andernach Skulpturen, Bronzen und Collagen. Ute Seifert und Carolin Wachter präsentieren im November ihre Malerei und Keramikobjekte im Dialog.
Auch zu feiern gibt es etwas: das 15-jährige Bestehen der Galerie am Stall. Zu diesem Anlass werden im Mai und Juni Arbeiten von Künstlerinnen und Künstler gezeigt, die Galerist Frank Giesen in den letzten Jahren begleitet haben.
30 Bildwerke und drei Skulpturen hat Galerist Frank Giesen ausgewählt, die er von Paulus bis zum 19. Februar ausstellen möchte. Dafür ist er im November zu Paulus nach Landsberg am Lech – nahe München – gefahren, um seine neuesten Werke zu begutachten. Welche Werke er zeigen möchte, entscheide Giesen oftmals nach dem Bauchgefühl, erklärt er. Mit nach Hude hat er eine Auswahl gebracht, die die Vielfältigkeit Paulus zeigen soll.
Beutestücke ergattert
Zu sehen gibt es sogenannte Spolien. Der Begriff „Spolia“ stammt aus der Antike und beschreibt Beutestücke, die als Gestaltungselement wiederverwendet werden, um etwas Neues zu schaffen. Wie das in der Praxis gelingt, ist bei Paulus Werken deutlich zu erkennen. So hat er beispielsweise aus einer Halskette und Haarnadeln das Gesicht einer Frau kreiert.
Seine Materialien findet der Künstler auf ganz unterschiedliche Weise, erklärt Giesen. So sei Paulus viel auf Flohmärkten und in alten Speichern unterwegs. Ob er bei einem alten Fundstück, wie beispielsweise einem Tablett, das in der neuesten Ausstellung Grundlage eines Werkes bildet, sofort wisse, was er daraus erschaffen will, hält Giesen teilweise für möglich. Wahrscheinlicher sei aber, dass Paulus in den meisten Fällen mit dem Gedanken, das Stück später einmal gebrauchen zu können, seinen Fundus erweitert.
Frühere Werke
In den früheren Werken hat Paulus seine Beutestücke vor allem als Malgrundlage verwendet. Er hat sich weiterentwickelt und setzt die Gegenstände nun ein, um ihnen eine neue Gestalt zu verschaffen. Das zeigt er beispielsweise in den drei Skulpturen „Weißer Kopf“(2019), „Magd(a)“ (2020) und „Messervögelchen“ (2019), die Giesen in einer Glasvitrine drapiert hat.
Aber nicht nur die Werke selbst sind als Kunst zu sehen. Auch, wie Giesen sie auswählt, sie interpretiert und letztlich zu einer Ausstellung zusammenfügt, braucht Kunst-Erfahrung. „Manchmal geht es ganz schnell, sie anzuordnen und manchmal dauert es auch mehrere Tage“, sagt der Galerist. Wenn die Werke in seiner Galerie eintreffen, reiht Giesen sie erst einmal auf dem Boden auf. Dann setzt er sich auf das kleine Sofa, das am Ende des Raumes steht, und lässt die Stücke auf sich wirken. Aus einer Mischung aus Bauchgefühl und künstlerischen Gespür, baut er dann die Ausstellungen auf.
Feierliche Eröffnung
Mit einem Besuch Paulus am Sonntag, wird die neue Ausstellung um 15 Uhr offiziell eröffnet und ist bis zum 19. Februar immer mittwochs bis freitags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen sein. Zur Einführung gibt es ein Gespräch mit dem Künstler. Aber auch Lyriker Gunter Gerlach wird Gedichte vortragen, bevor er am Freitag, 3. Februar, noch mal für eine Lesung in der Galerie zu Gast sein wird.
