Ganderkesee - Erneut haben Baumfällarbeiten für Aufregung gesorgt. Auf einem Privatgrundstück im Ganderkeseer Ortskern wurde am Dienstag ein 25 bis 30 Meter hoher Baumriese heruntergesägt – allerdings im Einklang mit den Vorgaben der Gemeindeverwaltung.

Hans-Joachim Nawrot, der ganz in der Nähe wohnt, bemerkte die Fällarbeiten gleich am Morgen. Der Bezirksvorsteher von Bookhorn informierte sich vor Ort und wandte sich dann an die Gemeindeverwaltung. Er kann nicht verstehen, dass der Baum im Ortskern gefällt werden durfte. „Es ist ein Unding, dass man so einen ortsbildprägenden Baum einfach so umhaut.“

Doch der Baum, vermutlich ein Mammutbaum oder eine Sumpfzypresse, stand nicht unter Schutz. Er sei im Bebauungsplan nicht als schützenswert vermerkt, sagt Gemeindesprecher Hauke Gruhn. „Da es in diesem Bereich keine entsprechende Eintragung gibt, hat die Gemeinde keine Handhabe, die Schnittarbeiten auf Privatgelände zu unterbinden.“ Auch der Zeitraum der Maßnahme sei zulässig. Baumfällarbeiten sind bis zum 1. März erlaubt.

Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Firma, die die Arbeiten ausführte, ist der hohe Baum zu groß für das kleine Grundstück mitten im Ort geworden. Auch Totholz habe sich in der Krone befunden.

Für Hans-Joachim Nawrot dagegen ist die Sache klar: „Es fehlt nach wie vor eine Baumschutzsatzung“, sagt er. Weil man damit noch nicht weiter gekommen sei, seien Privatleute frei, Bäume zu fällen, meint auch der Nabu-Vorsitzende Hans Fingerhut. Es sei sinnvoll, wenn Bäume auf Privatgrundstücken begutachtet würden und Hilfe angeboten werden könne.

Fingerhut kennt aber auch die Probleme, die Bäume verursachen können. Es komme häufiger vor, dass ortsfremde Bäume als Modeerscheinung gepflanzt würden. „Sie entwickeln sich dann so groß, dass auf einem kleinen Grundstück nicht genug Platz ist.“ Man müsse immer die Gegebenheiten betrachten.

Antje Rickmeier
Antje Rickmeier Redaktion Ganderkesee