Ganderkesee - Ganderkesees alter Bahnhof soll auch in Zukunft gastronomisch genutzt werden. Das ist der erklärte Wille von Verwaltung und Politik – abgesehen von Bündnis 90/Die Grünen, die sich eine Umwandlung des Gebäudes in eine Markthalle zum Verkauf regionaler Produkte vorstellen können.
Mit dieser Meinung indes blieb Grünen-Fraktionschef Dr. Volker Schulz-Berendt am Donnerstagabend im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen allein. Er betonte, dass eine Markthalle „weit über den Obst- und Gemüseverkauf hinausgeht“ und durch gastronomische sowie kulturelle Angebote zu einem „Ort der Begegnung“ entwickelt werden könne. „Aber es muss auch erfolgversprechend sein“, entgegnete Hans-Jürgen Hespe (FDP) und verwies auf das Beispiel Delmenhorst, wo eine Markthalle gescheitert sei.
Neuer Betreiber gesucht
Die anderen Fraktionen sahen das ebenso: Bei einer Gegenstimme von Schulz-Berendt votierten sie dafür, das im Oktober bei einem Brand schwer beschädigte Bahnhofsgebäude wieder so herzustellen, dass es als Gaststätte genutzt werden kann. Die Verwaltung soll nun einen Betreiber mit einem schlüssigen Konzept finden.
Einstimmig beschloss der Ausschuss zudem, dass der Bahnhof im Besitz der Gemeinde bleibt. Darauf hatte auch die Verwaltung großen Wert gelegt, um den Einfluss auf Konzept und Gestaltung des Gebäudes als „Eingangstor zum Ortskern“ zu behalten. Ein Investor, der bereits ein Kaufangebot abgegeben hatte und an einen Gastronomen verpachten wollte, kommt demnach nicht zum Zuge.
Die bisherige gastronomische Nutzung des alten Bahnhofs habe sich bewährt, erklärt die Verwaltung – dabei sind die bisherigen Betreiber alle gescheitert: Nach der Übernahme und Herrichtung hatte die Gemeinde den Bahnhof 2008 an die MST-Gastro GmbH von Marco Stubbemann vermietet – dessen Restaurant „Gleis Eins“ rutschte aber schon nach einem Jahr in die Insolvenz. Das gleiche Schicksal erlitt fünf Jahre später der Nachfolgebetrieb „Bodega“ unter der Geschäftsführung von Björn Schwamborn. 2015 machten Miri Lavasani und Saman Ghorbani unter dem Namen „Don Gantero“ weiter.
„Unmöglich zu nutzen“
Der Name blieb, als die PGG GmbH im Juni dieses Jahres den Betrieb übernahm. Das Mietverhältnis mit dieser Gesellschaft wurde durch den Brand am 14. Oktober beendet – „wegen Unmöglichkeit der weiteren Nutzungsüberlassung“, wie es so schön im Verwaltungsdeutsch heißt. Neue Erkenntnisse zur Ursache gibt es laut Polizei nicht. Dass es Brandstiftung war, ist sicher, ein rechtsradikaler Hintergrund ist noch nicht bestätigt.
