Ganderkesee - Um kurz nach 3 Uhr war die Nacht für Elke Bothe beendet. Durch ein schrilles Pfeifen wurde die 62-Jährige Dienstagfrüh jäh aus dem Schlaf gerissen. Genau das soll ja eigentlich auch passieren, wenn ein Rauchmelder anschlägt. Doch bei Elke Bothe kamen sofort Erinnerungen hoch – an den 12. Oktober 2012, als der ehemalige Gasthof Zum Bookholzberg lichterloh in Flammen stand und sie von der Feuerwehr aus dem stark verqualmten Nachbarhaus gerettet werden musste.
„War sofort in Panik“
Rauchgeruch konnte sie diesmal nicht wahrnehmen, aber eben diesen ohrenbetäubenden Lärm. Die allein lebende Ganderkeseerin wählte die 112. „Meine Nachbarn sind im Urlaub“, berichtet Elke Bothe, die in einem Mehrfamilienhaus lebt. „Ich war sofort in Panik und wusste in diesem Moment nicht, was ich machen sollte.“ Zugleich hatte sie die Sorge, dass der Alarm die Bewohner der Nachbarhäuser wecken könnte. Den Rauchmelder selbst von der Decke ihres Flurs holen konnte Elke Bothe nicht – sie ist zweifach beinamputiert und auf einen Rollstuhl angewiesen.
Das, so betont Elke Bothe, habe sie natürlich auch dem Gesprächspartner am Telefon mitgeteilt. „Aber er sagte gleich, dass er dafür niemanden rausschicken kann.“ Der Disponent der Großleitstelle habe ihr empfohlen, den Alarm über Drücken des entsprechenden Knopfes am Rauchmelder mit einem Besenstiel zu deaktivieren, beschreibt Elke Bothe den weiteren Verlauf des Gesprächs. Das jedoch, sei ihr vom Rollstuhl aus nicht gelungen.
Neffe eilt zur Hilfe
Nach dem Telefonat mit der Leitstelle in Oldenburg rief die Ganderkeseerin ihre ebenfalls in Ganderkesee lebende Schwester an, die daraufhin ihren Sohn schickte. Er nahm den Rauchmelder schließlich von der Decke und entfernte die Batterien.
Elke Bothe, die am Dienstag noch immer unter den Eindrücken der vorherigen Nacht stand, fühlt sich von der Leitstelle im Stich gelassen. Sie fragt sich, wie andere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder auch hochbetagte Senioren wohl in derartigen Situationen zurechtkämen.
Telefonnummern ausgetauscht
Einen positiven Aspekt kann Elke Bothe dem Vorfall im Nachhinein trotzdem noch abgewinnen. Am nächsten Morgen habe sie zufällig eine Bewohnerin des Nachbarhauses getroffen, die den Rauchmelder-Alarm ebenfalls wahrgenommen hatte. „Wir werden jetzt unsere Telefonnummern austauschen – für den Fall, dass einer von uns beiden wieder einmal so etwas passiert“, berichtet Elke Bothe.
Das sagt die Großleitstelle
Wenn jemand nicht weiter wisse, dürfe er auf jeden Fall den Notruf wählen, sagte Stefan Abshof, Abteilungsleiter Einsatz und Pressesprecher der Großleitstelle Oldenburger Land. Die Anstalt öffentlichen Rechts ist Feuerwehr- und Rettungsleitstelle für die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch sowie die Städte Delmenhorst und Oldenburg – hier laufen die Anrufe unter der 112 auf, so auch der von Elke Bothe.
„Aufgabe des Disponenten ist es, herauszufinden, ob ein Notfall vorliegt, um anschließend die richtige Ressource einsetzen zu können“, erklärte Abshof am Dienstagnachmittag auf Nachfrage der NWZ. So habe sich im beschriebenen Fall schnell herausgestellt, dass es sich wohl um eine technische Störung des Melders handle. Für diesen Fall aber gebe es keine Ressource im Zuständigkeitsbereich der Großleitstelle. Das Abnehmen eines Rauchmelders sei weder ein Fall für die Feuerwehr noch für den Rettungsdienst.
„Trotzdem hat die Anruferin keinen Fehler gemacht“, betonte Abshof. Vielmehr seien Anruferin und Disponent im Laufe des Notrufgesprächs einvernehmlich zu der Erkenntnis gelangt, dass externe Hilfe gesucht werden müsse.
