Kreyenhoop - Der November gilt für viele Gartenbesitzer als klassischer letzter Zeitpunkt, das eigene Grün „winterfest“ zu machen: Zwiebeln pflanzen, Hecke schneiden, Laub und Zweige harken. Vieles davon ist jedoch unnötig oder wird zum falschen Zeitpunkt gemacht, wie der Gärtner Bernd Gillerke aus Kreyenhoop erklärt.
Müssen Gärten winterfest gemacht werden?
„Die meisten Pflanzen hier im Norden sind schon winterhart“, so Gillerke. Ausnahmen gelten natürlich für nicht einheimische Sorten wie etwa Oleander oder Olivenbäume. Einen Hagebuttenstrauch müsse aber niemand für den Winter schneiden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Schneiden?
Gillerke: „Im Herbst setzt die Natur das Blütenholz für das kommende Jahr an.“ Das Abschneiden von Zweigen zu diesem Zeitpunkt sei deshalb nicht empfehlenswert. Stattdessen sollten Gartenbesitzer auf das Ende der Blütezeit des jeweiligen Strauches warten. Schnittarbeiten fallen dadurch nicht alle auf einen Tag, sondern verteilen sich, was für Gartenbesitzer automatisch weniger Stress bedeute. „Die Natur gibt es uns eigentlich vor“, so Gillerke. Ein weiterer Faktor ist, dass frische Schnittflächen im Herbst und Winter schlechter verheilen als im Frühjahr und dann anfällig für Pilze oder Schädlinge werden.
Wie tief müssen Zwiebeln gepflanzt werden?
Als grobe Faustregel empfiehlt Bernd Gillerke, Blumenzwiebeln im Garten in einer Tiefe zu pflanzen, die etwa dem Zwei- oder Dreifachen des Zwiebeldurchmessers entspricht – zehn Zentimeter seien für Schneeglöckchen deshalb zu tief. „Sonst kommt die Pflanze im Frühjahr nicht raus“, sagt er.
Da die Zwiebeln die Kraft für das Wachstum speichern, rät er auch dazu, das Blattwerk – etwa von Osterglocken – nicht zu früh zu entfernen. Ein Abschneiden sei im Grunde unnötig, stattdessen sollten alte Blätter und Stengel erst dann entnommen werden, wenn sie bereits braun geworden sind und sich ohne Kraft abzupfen lassen. „Sonst nimmt man der Pflanze die Kraft weg“, lautet der Rat des Gärtners.
Wie sieht es mit Gräsern mit Winterschutz aus?
Ziergräser sollten im Herbst gar nicht geschnitten werden, sondern im März/April. Nach Gillerkes Erfahrung wird der Schnitt nicht nur zu spät, sondern gerne auch zu tief gemacht. Im Winter kann dadurch Feuchtigkeit in den Staudenballen dringen und die Pflanze beschädigen. Er empfiehlt, empfindliche Gräser wie Pampasgras lediglich zusammenzubinden, um den Ballen in der kalten Jahreszeit zu schützen. „Und wenn die Halme braun sind, macht das nichts. Bei Raureif sieht das im Winter trotzdem toll aus“, so seine Einschätzung.
Müssen Laub und Zweige geharkt werden?
Auf Rasenflächen sollten im Winter über nicht zu viele Blätter liegen, um kahlen Stellen vorzubeugen. Bernd Gillerke rät Gartenbesitzern trotzdem, Laub nur grob zu harken. „Wenn sich an Rändern von Stauden etwas mehr ansammelt, schützt das vor Frost.“ Gleichzeitig dienen Laub und abgefallene Zweige auch Insekten oder Kleintieren wie Igeln als Unterschlupf, weshalb ein Garten nicht „kahlgefegt“ werden solle.
Aber ein ungeschnittener Garten sieht doch nicht schön aus?
„Von dem klinisch Reinen sollte man im Garten wegkommen“, findet Bernd Gillerke, „sondern die Natur respektieren und genießen.“
