Ganderkesee - Umzug einmal anders! Es muss schon ein imposantes Bild in Ganderkesee gewesen sein, als zu Fuß große Schränke auf einem Rollwagen von der Passage „Alte Eiche“ in die Rathausstraße transportiert wurden. So geschehen im Herbst 2017. Dieser körperliche Einsatz hat sich gelohnt, denn Stephan Piper (54) ist mit dem neuen Standort seiner ergotherapeutischen Praxis mehr als zufrieden: „Uns gefällt es hier in den ehemaligen Räumlichkeiten der Wittekind-Apotheke ganz hervorragend!“ Als Ergotherapeut und auch als sektoraler Heilpraktiker hilft er vielen Menschen jeden Alters. Dabei war er drauf und dran, eine Karriere bei der Bundeswehr zu machen. Aber der Reihe nach.
Sport war immer wichtig
Sport stand für den gebürtigen Delmenhorster schon als kleiner Junge an erster Stelle. Mit fünf Jahren begann er beim DTB mit dem Fußball. „Ich habe im Mittelfeld gespielt, da konnte ich am wenigsten kaputt machen“, erinnert sich Stephan Piper lächelnd. Dabei gibt er zu, dass er bei schlechtem Wetter auch schon einmal auf das Training verzichtete. Ab dem siebten Lebensjahr begann er zusätzlich beim SV Atlas mit Tischtennis. Während die Fußballschuhe schon lange am berühmten Nagel hängen, ist er dem Tischtennis bis heute treu geblieben.
Dem Sport hat er viele schöne Erlebnisse zu verdanken, das schönste sicherlich, als er Meike kennengelernt hat. „Ich war bei der Bundeswehr und bei einem Besuch meiner Eltern schaute ich auch in der Hasberger Sporthalle vorbei und wurde da von einer hübschen, jungen Dame mit ,Hallo Stephan‘ begrüßt. Allerdings hatte sie mich mit einem anderen Stephan verwechselt“, erzählt Piper. Aus dieser Verwechslung wurde 1995 ein Ehepaar – und die Zwillinge Neele und Tom sind mittlerweile 19 Jahre alt.
Mit gemischten Gefühlen denkt Stephan Piper an seine Schulzeit zurück. „Andere Dinge waren mir meistens wichtiger, aber solange die Zensuren im grünen Bereich waren, war alles okay.“
Was er einmal beruflich machen wollte, da hatte Stephan keine Vorstellung. Sein Schulpraktikum machte er bei der Firma Weyhausen in Delmenhorst. „Hier musste ich den ganzen Tag Schrauben entrosten und das war mir zu langweilig. Nachdem ich mich beschwert hatte, kam ich in die Schmiede und da war es dann richtig gut.“ Weil es sich so ergab, machte Stephan bei der Firma Kabasch eine Ausbildung zum Bauschlosser. „Mein Traumberuf war es nicht.“ Nach der Ausbildung blieb er dem Unternehmen für ein Jahr treu.
Dann meldete sich die Bundeswehr. Aus geplanten 18 Monaten wurden zwölf Jahre. Als Soldat war er einer der Spezialisten, die Gefahrenstoffe aufspüren und entschärfen, zum Beispiel Sprengstoffe. Dann wurde er Ausbilder für Unteroffiziersanwärter und die beiden letzten Jahre, von 1995 bis 1997, besuchte Stephan Piper die Bundeswehrfachschule. „Bei der Bundeswehr wäre ich im Alter von 56 Jahren in Rente gegangen und das konnte ich mir nun wirklich nicht vorstellen, und so habe ich eine neue berufliche Herausforderung gesucht.“ Ein Bekannter hatte den Tipp: „Wie wäre es mit Ergotherapeut, das könnte ich mir bei dir sehr gut vorstellen.“
Auch Stephan konnte sich das gut vorstellen und machte eine dreijährige Ausbildung. Anschließend sammelte er in einer Delmenhorster Praxis Erfahrung. Nach zwei Jahren wechselte er 2002 zur K&S Gruppe, die bundesweit in der stationären und ambulanten Pflege aktiv ist. Hier war er als Ergotherapeut tätig. In Lilienthal lernte er einen Physiotherapeuten kennen, der ihm riet: „Nimm es selbst in die Hand und mach dich selbstständig.“
Zwei Praxen eröffnet
Als 2006 sein Chef in den Ruhestand wechselte, setzte Stephan Piper diesen Rat in die Tat um. Er eröffnete in Lilienthal eine Praxis und gleichzeitig eine in der Gemeinde Ganderkesee, dem Wohnsitz der Familie. Zehn Jahre waren die Praxisräume in der Passage „Alte Eiche“ ein beliebter Anlaufpunkt für seine Patienten.
Da der Eigentümer wechselte und nicht mehr in das Objekt investierte, ging es auf die Suche nach einem neuen Domizil. In der Rathausstraße war schnell der ideale Platz gefunden. Stephan Piper hat, wenn auch über Umwege, seine berufliche Erfüllung gefunden. „Ich bin erst zufrieden, wenn ich Menschen helfen kann und diese dann mit einem Lächeln im Gesicht meine Praxis verlassen“.
