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Ganderkeseer Förderzentrum Vermittelt Erfolgreich Trotz Pandemie mit viel Praxis ins Berufsleben

Ganderkesee - Als „Corona-Jahrgang“ werden sie bezeichnet, die Schülerinnen und Schüler, die 2020 ihre Zeugnisse erhalten haben. Obwohl Beratungsangebote in der Pandemie Mangelware waren, kann die Schule am Habbrügger Weg für die Abgänger der freiwilligen zehnten Klasse aber vollen Erfolg vermelden. „Die Schüler mussten auf nichts verzichten, was wichtig ist, und niemand hat wegen der Pandemie keinen Ausbildungsplatz bekommen“, freute sich Klassenlehrerin Maria Hackmann-Reuter.

Gute Zusammenarbeit

Zusammen mit Kollege Arne Osolin betreut sie den zehnten Jahrgang am Habbrügger Weg, wo neben dem Hauptschulabschluss auch viele praktische Einblicke auf dem Plan stehen. Dass das trotz Corona auch für diesjährige Abgänger möglich war, liege an der guten Zusammenarbeit mit Ganderkeseer Betrieben. „Wir haben mit allen bekannten Akteuren weiter kooperieren können“, sagte sie. Diese hätten großes Verständnis für die Ausnahmesituation gezeigt und seien der Schule entgegengekommen. „Viele Wege, die wir mit Schülern gegangen sind, waren auch für uns neue Erfahrungen“, so Hackmann-Reuter.

Grundsätzlich seien die Schüler, die sich für ein extra Jahr im Förderzentrum am Habbrügger Weg entscheiden, auf individuelle Vermittlung angewiesen. „Wenn die sich allein mit ihren Zeugnissen bewerben, wird das schwierig“, erklärte die Lehrerin. „Bei uns ist die klassische Ausbildung oft das Ziel, aber nicht immer.“

Einzellösungen gefragt

Das bestätigte auch Norbert Klüh, ehemaliger Lehrer der Schule am Habbrügger Weg, der dort weiter die zehnten Klassen unterstützt und Mitbegründer der Zukunftswerkstatt Ausbildungsplatzinitiative Ganderkesee (Zwaig) ist: „Im berufsvorbereitenden Feld sind gerade in der Pandemie viele Individuallösungen gefragt.“ Genau wie kooperierende Betriebe müssen sich auch Lehrer und Betreuer an neue Situationen anpassen. „Was vor zehn Jahren gemacht wurde, geht jetzt nicht mehr“, so Klüh.

Beratung einfach ins Digitale zu verschieben, sei aber keine Lösung. Klüh: „Das kann nicht klappen.“ Auch Maria Hackmann-Reuter sieht persönliche Kontakte als sehr wichtig an. „Wenn es möglich ist, treffen wir unsere Kooperationspartner persönlich, mit Maske und Abstand.“

Eine Konsequenz der Pandemie gibt es immerhin: Praktika werden für die 20 neuen Zehntklässler jetzt in dreiwöchigen Blocks statt an zwei Tagen pro Woche durchgeführt, um Ansteckungen zu vermeiden. „Die Schüler sind dafür hochmotiviert“, lobte Hackmann-Reuter. „Wie gut das dann läuft, müssen wir jetzt abwarten.“

Das sagt dazu die Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land

Die Coronakrise hat auch in Handwerksbetrieben für viele Probleme gesorgt, für Berufsanfänger gibt es gleichzeitig aber noch jede Menge Chancen, weil die Pandemie den Ausbildungsbeginn vielerorts verzögert. Das betont Sven Jochims, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land: „Es sind auch jetzt noch nicht alle Stellen für das Jahr 2020 besetzt.“

Um Schulabgängern und jungen Menschen zu helfen, die in diesem Jahr coronabedingt keine Berufsmessen oder persönliche Beratungen bekommen haben, hatte die Kreishandwerkerschaft zusammen mit der Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit Oldenburg/Wilhelmshaven eine telefonische Beratung angeboten, deren Resonanz aber enttäuschend ausfiel. „Es gab bei uns null Anrufe, das Angebot ist nicht genutzt werden“, sagte Jochims. Junge Menschen, die immer noch auf der Suche seien, haben aber nach wie vor viele Möglichkeiten, betonte er. „Die offenen Stellen ziehen sich quer durch alle Gewerke. Wer sich interessiert, muss einfach die verschieden Kanäle bespielen, die es gibt.“

Grundsätzlich hält Jochims einen handwerklichen Beruf gerade in der jetzigen Zeit für eine gute Perspektive. „Es hat sich gezeigt, dass das Handwerk insgesamt sehr krisensicher ist. Die Perspektiven sind immer noch sehr, sehr gut“, so der Geschäftsführer. Innungsbetriebe würden sehr viel für den Schutz von Kunden und Mitarbeitern tun und seien stets auf dem neuesten Stand, was Techniken und Maßnahmen betrifft. Jochims: „Kein Handwerksbetrieb kann es sich leisten, durch Corona lahmgelegt zu werden.“

Weiter biete das Handwerk Chancen für den beruflichen Aufstieg. „Das besteht ja nicht nur aus Lehre machen und das war’s dann“, sagte Jochims. Vielfältige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten eröffnen weitere Berufsfelder.

Eine Ausbildung im September oder auch noch später zu beginnen, sei kein Problem, beruhigte er: „Jeder hat auch jetzt immer noch die Möglichkeit, seine Ausbildung im Handwerk zu beginnen.“ Viele Betriebe seien immer noch auf der Suche nach Lehrlingen, wie anhand der Online-Stellenbörse der Kreishandwerkerschaft erkennbar ist.

Arne Haschen
Arne Haschen Digitalteam Wesermarsch
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