Ganderkesee - Das Kirchweih-Jubiläum muss ohne große Feier auskommen: Ein ganz normaler Gottesdienst, so wie immer donnerstags, ist alles, was Ganderkesees Katholiken zum 70. Jahrestag der Weihe ihrer Kirche St. Hedwig an diesem Donnerstag (Beginn: 8.30 Uhr) anbieten können – das Coronavirus lässt keine weiteren Veranstaltungen zu.
Und so bemüht Pfarrer Norbert Lach, der seit 1996 Pfarrer in St. Hedwig ist, ein symbolisches Bild, um die Bedeutung der Kirche 70 Jahre nach deren Gründung zu beschreiben: Die Gerüste, die beim Bau im Jahr 1950 das Kirchenschiff säumten, müsse man sich jetzt wieder aufgerichtet vorstellen, so Lach – für „eine Kirche und Gemeinde, die im Sinne Rilkes in Gerüsten steht und arbeitet“.
„Gelebter Glaube“
Lach verweist auch auf das Buch „Gelebter Glaube, Hoffen auf Heimat“ von Michael Hirschfeld und Markus Trautmann aus dem Jahr 1999, dessen Titelbild die eingerüstete St.-Hedwig-Kirche zeigt: Darin wird beschrieben, wie die katholischen Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten im Bistum Münster eine neue Heimat gefunden haben.
Weihe am 5. November
Auch in Ganderkesee waren es fast ausschließlich Flüchtlinge und Vertriebene, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine bis dahin vor Ort nicht bestehende katholische Gemeinde gründeten. Dieser und dem Kirchengebäude, das am 5. November 1950 geweiht wurde, gaben sie den Namen der Heiligen Hedwig, der Schutzpatronin Schlesiens. Den Vorschlag hatte der damalige Pfarrer Helmut Richter gemacht, der bis 1980 die Ganderkeseer Gemeinde betreute. Auf ihn folgten Pfarrer Rudolf Voet (bis 1989) und als Rektoratsverwalter Dechant Franz Nienaber, ehe 1996 Norbert Lach die Pfarrstelle übernahm.
Die Kirche St. Hedwig wurde 1981 umfangreich renoviert. Zwischen 1985 und 1987 erhielt der Kirchturm ein neues Dach, außerdem wurde der Altarraum umgebaut.
„Gemeinde integriert“
„Aus einer ehemaligen Vertriebenengemeinde und ihrer Suche nach Eigenidentität in den Jahren nach dem Krieg wurde eine katholische Gemeinde, die sich in den Jahren ihres Bestehens in den vorgefundenen kirchlichen, sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bezügen integrierte“, fasst Norbert Lach die Entwicklung der vergangenen 70 Jahre zusammen.
Seit 2006 besitzt die knapp 1300 Mitglieder zählende Gemeinde St. Hedwig keine eigene volle Pfarrstelle mehr, sondern ist wie St. Bernhard in Bookholzberg und St. Michael in Stenum Teilgemeinde von St. Marien in Delmenhorst. Die Verwurzelung und Integration in Ganderkesee blieb davon unberührt und ist so fest wie vor 70 Jahren. „Nicht nur die gelebte Ökumene gibt davon ein lebendiges Zeugnis“, betont der Pfarrer.
Vor Ort und in der Welt
Die intensive Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchengemeinden in Ganderkesee ist ihm und den Gemeindegliedern ein wichtiges Anliegen. Aber nicht nur vor Ort orientiert man sich in der Gemeinde St. Hedwig – auch der Bezug zur Weltkirche wird gepflegt: So gibt es seit Langem eine Partnerschaft mit der katholischen Gemeinde Natal in Brasilien, die immer wieder mit Aktionen unterstützt wird.
