Ganderkesee - Schulen sind aufgrund der Corona-Pandemie seit rund zwei Wochen landesweit geschlossen. Einige Schüler lassen sich vom guten Wetter nach draußen locken, aber was machen Ganderkeseer Lehrer jetzt eigentlich? Gibt es überhaupt noch etwas zu tun oder vorzubereiten?
Noch nicht in den Ferien
„Bei uns haben die Ferien noch nicht begonnen“, erklärte Jan-Michael Braun, Sprecher des Ganderkeseer Schulverbunds und Leiter der Bookholzberger Oberschule. Dort wird, genau wie in der Oberschule in Ganderkesee, ein freiwilliger Online-Unterricht angeboten. Die Resonanz sei bislang positiv: „Das funktioniert gut. Wir haben es jetzt eine Woche lang so laufen lassen, dass der reguläre Stundenplan eins zu eins übernommen wird.“ Für die Lehrer bedeute das, dass sie sich zur betreffenden Zeit für Nachfragen der Schüler per Mail oder Chat auf dem IServ-Schulserver zur Verfügung stellen.
Dieses Verfahren sei aber nicht nur aufwendig, weil es dauere, bis alle Schüler ihre Lösungen hochgeladen haben: „Was im Unterricht als Gespräch in der Klasse gut funktioniert, dauert jetzt wesentlich länger“, sagte Braun.
„Eine sehr enge Zusammenarbeit besteht mit meiner eigenen Klasse, der 10b“, erzählte Annika Hoffrogge, die in Bookholzberg Deutsch, Wirtschaft, Politik und weitere Fächer unterrichtet. Ihre 21 Schüler arbeiteten fleißig via IServ mit. Insgesamt stellt Hoffrogge derzeit digitale Aufgaben für über 100 Kinder bereit. Dazu gehöre aus der Austausch mit anderen Lehrern. „Ich möchte auch ein großes Lob für mein Kollegium aussprechen, die alle daran mitwirken, dass wir den Kontakt zu unseren Schülern während dieser besonderes Ausnahmesituation nicht verlieren“, sagte Hoffrogge.
Papierkram abarbeiten
Hausaufgaben muss sie derzeit nicht vorbereiten, Ferien hat Claudia Hannah Engelien aber auch nicht. Für die Sozialpädagogin an der Bookholzberger Oberschule gibt es nach wie vor viel Papierkram abzuarbeiten. „Es gibt noch etliche Konzepte zu verschriftlichen, wo ich sonst nie zu komme“, erklärte sie. Zusätzlich stehe sie in der Betreuungszeit in Rufbereitschaft und stehe den Schülern auch online jederzeit zur Verfügung, was bislang aber nur vereinzelt in Anspruch genommen wurde. „Das ist ja eigentlich ein gutes Zeichen“, sagte Engelien. Arbeiten tut sie zuhause derzeit vom Wohnzimmer aus – notgedrungen: „Wir sind gerade erst umgezogen und mein Büro ist noch nicht fertig, aber ich kann aktuell ja keine Sachen besorgen.“
Auch das Kollegium des Ganderkeseer Gymnasiums ist vom Homeoffice aus über IServ mit den Schülern in Kontakt, wie die Schulleiterin Dr. Renate Richter mitteilte. „Eine der Hauptaufgaben der Lehrkräfte liegt zurzeit auch darin, Lernangebote an die Schüler zu schicken.“
Situation ist Neuland
Das sei eine besondere Herausforderung, denn das Land Niedersachsen habe vorgegeben, dass es sich nur um freiwillige Aufgaben handeln dürfe. „Wir alle betreten Neuland, das gilt für unsere Lehrkräfte genauso wie für die, die zuhause einen Alltag ohne Schule organisieren müssen“, sagte Richter. Es sei jetzt wichtig, dass schulische Arbeitsroutinen nicht verloren gingen und im Rahmen der Möglichkeiten gepflegt werden.
Für Lehrer entwickeln sich derzeit auch positive Effekte, wie Steven Behrens, stellvertretender Schulleiter der Oberschule Ganderkesee, erklärte. „Wir sind jetzt alle gezwungen, uns in den Aufgabenbereich von IServ reinzufuchsen. Da haben wir im Kollegium jetzt echte Quantensprünge gemacht.“ Viele Lehrer zeigten in der Interaktion mit den Schülern große Kreativität. „Ich habe mit überlegt, dass ich das für meinen Chemieunterricht jetzt immer so machen werde“, sagte Behrens zu den Möglichkeiten, digitale Aufgabenbereiche etwa durch Videos aufzuwerten.
Dankbarkeit der Eltern
Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren die Lehrer auch von Eltern. „Die sind sehr froh, dass wir sowas anbieten“, sagte Jan-Michael Braun. Der Online-Unterricht gebe eine tägliche Struktur vor und treibe die Kinder an. „Für uns ist diese Zufriedenheit auch ein wichtiges Signal.“ Seitens der Schüler, für die eine Teilnahme am Online-Unterricht rein freiwillig ist, gebe es ebenfalls eine rege Teilnahme sowie zusätzlich eine Steigerung der digitalen Medienkompetenz in jüngeren Jahrgängen. „Es gibt natürlich einige, die letzte Woche schon mit den Osterferien begonnen haben“, sagte Braun. Das habe auch für Frust unter Kollegen gesorgt. „Aber wir sind froh dass so viele Schüler das mittragen, für uns ist das ein tolles Miteinander.“ Für ihn selbst habe sich das Arbeitspensum kaum verändert, wie der Schulleiter erklärte. „Der einzige Luxus, den ich mir aktuell gönne, ist Musik im Büro.“
