Ganderkesee - Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt nachhaltig – auch das Tischlerhandwerk. Vom Aufmaß über die Planung bis hin zur Fertigung und Montage: „Die Digitalisierung birgt für das Tischlerhandwerk viele Möglichkeiten“, sagt Carsten Wichmann, Obermeister der Tischler-Innung Delmenhorst/Oldenburg-Land.
„Unser Ziel ist es, die traditionelle Handwerkskunst und vor allem das Wissen um das Material Holz mit moderner Technik zu vernetzen“, sagt der Geschäftsführer der Tischlerei Sandkuhl in Ganderkesee.
Die Digitalisierung sei bislang im Büro am weitesten fortgeschritten, aber auch in der Fertigung zum Teil schon implementiert. So werden beispielsweise Daten an die CNC-Fräsmaschine (im Bild) aus dem Büro übermittelt.
Handarbeit wichtig
„Möbel, Treppen und andere Produkte werden heute am Computer geplant und konstruiert“, erklärt Carsten Wichmann. „Eine 3D-Visualisierung, die dem Kunden zeigt, wie der Einbauschrank oder die neue Küche später im Raum aussehen wird, gehört heute vielfach zum Standard.“
Ob ein Treppenmodell aus dem 3D-Drucker, mit dem Laser bearbeitete Furniermuster oder ein Roboterarm, der bislang kaum zu realisierende Formen fräsen kann: Die digitalen Technologien erleichtern und beschleunigen nicht nur die Fertigungsmöglichkeiten, sie erweitern auch die Produktvielfalt. „Die maschinelle Unterstützung nimmt einem manche Arbeitsschritte ab. Ganz ohne Handarbeit geht es aber nicht“, sagt Wichmann. Das gilt vor allem, wenn es um das Verständnis des Materials geht. „Nur wenn ich weiß, wie sich Holz oder andere Materialien unter bestimmten Bedingungen verhalten und wie ich es am besten bearbeiten kann, kann ich auch die Maschinen effektiv einsetzen.“
Um diese digitale Verzahnung aller Schritte, vom Aufmaß bis zum fertigen Produkt, leisten zu können, müssten neben der passenden Technologie auch Mitarbeiter in der Lage sein, diese zu bedienen. „Damit das gelingen kann, kommt es darauf an, das Thema Digitalisierung schon in der Ausbildung fest zu verankern“, so Wichmann.
Stärken erkennen
Das verlange von den Auszubildenden mehr technisches und räumliches Verständnis. Dennoch könne weiterhin jeder, vom Hauptschulabsolventen bis zum Abiturienten, den Beruf erlernen. Es müsse individuell geguckt werden, wo die jeweiligen Stärken liegen – ob jemand beispielsweise lieber im technischen Bereich arbeitet oder zur Endmontage zum Kunden fährt. „Wenn jemand die Motivation hat, ist das die beste Basis“, erläutert Wichmann.
Die sechs Ausbildungsstellen zum Tischler bei Sandkuhl konnten so auch in diesem Jahr besetzt werden, allerdings sei dies wegen der Corona-Pandemie schwieriger gewesen. „Ich denke aber, dass es sich wieder einpendeln wird“, ist Carsten Wichmann zuversichtlich.
Auch bei der Digitalisierung wagt er einen Blick in die Zukunft: Langfristig werde die Entwicklung dahin gehen, dass der Kunde durch seine Online-Bestellung direkt den Produktionsprozess auslöst.
