Ganderkesee/Hasbruch - Es werde derzeit so viel Holz aus dem Hasbruch geschlagen, dass man sich wohl sorgen müsse. Auch sehe es dort aus wie nach einem Panzermanöver. Auch im Bürsteler Fuhrenkamp hätten Holzfäller vor einiger Zeit wie die „Axt im Walde“ gewütet: Ihre tiefe Besorgnis um den Zustand der Wälder in und um Ganderkesee haben Leser in den letzten Tagen mehrfach geäußert.
Was ist passiert? Steht es um den Waldbestand tatsächlich so schlecht? Warum wird gerade jetzt so viel Holz gefällt? Die NWZ hat bei Verantwortlichen und Experten nachgefragt.
Der Revierförster
„Mein Holzeinschlag umfasst ausschließlich Durchforstungen – und das in allen Waldgebieten, Hasbruch, Kimmerholz, Hurrelersand, Klaushau, Sandersfeld, Feldhorst, Hackhorst, Bürsteler Fuhrenkamp, Stühe, Welsburger Holz, und Dötlinger Holz“, macht Revierförster Jens Meier deutlich. Und im Stenumer Holz habe diesen Winter gar kein Holzeinschlag stattgefunden.
Die Landesforsten
„Zum besseren Verständnis, der Holzeinschlag älterer Laubbäume findet traditionell im Winter statt“, erklärt Rainer Städing, Regionaler Pressesprecher für die Forstämter Ankum, Ahlhorn, Neuenburg und Nienburg.
Der Grund: Ohne Laub ließen sich die Bäume besser und ungefährlicher für die Waldarbeiter zu Fall bringen. Ohne Saft geschlagene Laubbäume seien besser zu bearbeiten, Schäden an anderen Bäumen könnten beim Fällen eher vermieden werden. Auch wenn Waldbesucher gerade den Eindruck hätten, dass überall und immerzu Holz eingeschlagen werde, der Anschein trüge.
„In älteren Eichenwäldern kommen wir meist nur einmal in zehn Jahren zum Durchforsten. In anderen Laubwaldbereichen, die schneller wachsen, sind wir auch nur alle fünf bis bis acht Jahre im Einsatz“, sagt der Pressesprecher. In den anderen Jahren blieben diese Flächen unangetastet.
Holznutzung und die damit verbundene Bindung von Kohlenstoff in Holzprodukten sei essenzieller Bestandteil für das Erreichen der Klimaziele. Mehr Holz-Wohnbau könne die Klimakrise positiv beeinflussen. Das ist die Aussage eines Experten-Talks auf der „Grünen Woche“. Initiiert hat ihn der Deutsche Forstwirtschaftsrat.
Zudem spiele der Klimawandel eine Rolle. „Früher hat man im Winter auch die Frostperioden genutzt, um das Holz bodenschonend auf dem gefrorenen Boden aus dem Wald zu ziehen.“ Das sei heute so nicht mehr möglich. Um dennoch den Bodendruck zu minimieren, kämen Forstmaschinen mit möglichst vielen und breiten Reifen und teils mit Kettenverstärkung zum Einsatz. Trotzdem gelange auch Matsch auf die Wege.
Die Wirtschaftslage
Vergessen wird oft, dass der Wald nicht nur ein Sehnsuchtsort für Naturfreunde ist, sondern eben auch Wirtschaftsort. Eichenholz ist ein bundes- und europaweit gesuchtes Material. Vom Eichenpfahl über Parkett- und Dielenholz hin zum Möbel-, Treppenbau- und Furnierholz vermarkten es die Landesforsten zu guten Preisen.
Das Geld wird auch benötigt, um Einnahmeausfälle aus den letzten drei „Katastrophenjahren“ auszugleichen. So gab es ein Holz-Überangebot infolge der Borkenkäferplage. Das zog vor allem den Verfall der Fichtenholzpreise nach sich.
Vorwürfen, aus diesen Gründen jetzt erst recht Bäume zu fällen, treten die Landesforsten entgegen: „Der Holzeinschlag erfolgt weiterhin nur im Rahmen der langfristigen und damit nachhaltigen Planungen“, beteuert Städing.
Die Spaziergänger
Der Wald scheint indes nicht nur unter der maschinellen Entnahme von Holz zu leiden. Wie die „Axt im Walde“ haben sich in den Monaten der Corona-Pandemie häufig auch Spaziergänger benommen, beklagten die Verantwortlichen. So hatte die Kreisverwaltung als zuständige Naturschutzbehörde zuletzt Kontrollgänge im Hasbruch unternehmen lassen.
Zuvor hatte Revierförster Jens Meier angesichts des Massenansturms über Vandalismus und Vermüllung im Hasbruch berichtet. Er betonte, dass die Spaziergänger selbst den Erhalt der Natur in ihren Händen hätten: „Im Hasbruch wird das Wegegebot missachtet. Es wird so viel Holz herausgeholt, um damit überall im Wald Tipis zu bauen, dass wir angesprochen wurden, ob das eine offizielle Aktion ist.“
