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Homeschooling Auf Anruf naht Hausaufgaben-Hilfe aus Ganderkesee

Ganderkesee - Die Kinder im Distanzlernen am Schreibtisch im Kinderzimmer – die Eltern im Homeoffice am Küchentisch: Viele Familien stehen seit Monaten vor nie gekannten Herausforderungen. Wenn Eltern nebenbei noch zu Lehrern werden sollen, kommt es mitunter zu Spannungen.

Oliver Koke kennt das – von zu Hause und aus dem Job. Der 46 Jahre alte Familienvater betreibt seit knapp eineinhalb Jahren in Ganderkesee die Schülerhilfe. Im zweiten Lockdown hat er ein Angebot entwickelt, von dem nicht nur Schüler aus Ganderkesee profitieren können. An diesem Freitag geht es an den Start.

Das Problem

„Für Kinder ist die Situation inzwischen wirklich belastend“, sagt Koke mit Blick aufs Lernen während der Pandemie. Der Bedarf an Nachhilfe sei gestiegen – besonders während des zweiten Lockdowns. Der erste Lockdown im Frühjahr 2019 habe sich für viele Schüler noch wie „vorgezogene Ferien“ angefühlt, doch die zweite Phase mit Homeschooling und Wechselmodell gehe an die Substanz, stellt Koke fest. „Viele Kinder sind an einem Punkt, wo sie sagen: So geht’s nicht weiter.“

Auf Ganderkeseer Betriebe übertragbar

Das Modell zur Unterstützung des Distanzlernens, das die Schülerhilfe ab Montag für ein Hamburger Unternehmen anbietet, könnte Schule machen: Oliver Koke hat es auch bereits einigen Ganderkeseer Unternehmen angeboten.

Profitieren können aus Kokes Sicht nicht nur die Familien, die durch die Nachhilfe-Lehrer aus Ganderkesee unterstützt werden. Auch die Unternehmen würden entlastet, indem Familie und Arbeit für die Mitarbeiter besser vereinbar seien.

Dieser Erkenntnis indes Taten folgen zu lassen, ist nicht ganz so einfach. Manchem Schüler würden die Erklärungen der Lehrkräfte fehlen, anderen eher die gewohnte Tagesstruktur, weiß Koke. Auch Selbstorganisation und Eigenmotivation seien Hürden.

„Lokale“ Lösung

Einzelunterricht in Nachhilfeschulen ist auch während des Lockdowns erlaubt. Doch der sei kostspieliger als der Unterricht in der Gruppe, erklärt Koke. Zudem gehöre das gemeinsame Lernen in der Kleingruppe von bis zu fünf Schülern eigentlich zum Konzept der Schülerhilfe.

Verzichten müssen die Nachhilfe-Schüler trotz Kontaktverbots nicht auf das Miteinander: Viele der Grüppchen kommen jetzt per Videokonferenz auf Zoom zusammen. „Wir haben die Gruppen allerdings gesplittet, um auch weiterhin allen gerecht zu werden“, berichtet Koke. Das Konzept sei aber flexibel: Drohe ein Schüler in einem Fach den Anschluss zu verlieren, könnten auch jetzt (physische) Treffen mit dem Nachhilfe-Lehrer vereinbart werden.

Hilfe auf Distanz

Von der Unterstützung der Nachhilfe-Lehrer in Ganderkesee werden ab Montag Schüler in vier Bundesländern profitieren: Ein Hamburger Unternehmen, das auch Mitarbeiter in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern beschäftigt, hat seinen Mitarbeitern das Angebot gemacht, für ihre Kinder Unterstützung beim Homeschooling anzufordern. Von montags bis donnerstags können sich alle – vom Grund- bis zum Berufsschüler – in der Mittagszeit bei Oliver Koke und Nachhilfe-Lehrer David Snaphaan per Mail, Anruf oder Textnachricht mit ihren Problemen melden.

„Entweder helfen wir sofort oder wir melden uns kurzfristig zurück – per Anruf oder auch über Zoom“, erklärt Koke das Konzept. In jedem Fall werde alle nötige Expertise aufgeboten. So kann er auf einen Pool von zehn Nachhilfe-Lehrern zugreifen, die sämtliche Schulfächer abdecken – einzig in Latein könne das Team derzeit nicht weiterhelfen, so der Schülerhilfe-Chef. Einen Muttersprachler hat Koke eigens für die fortgeschrittenen Französisch-Lerner reaktiviert: Guillaume Moullard aus Marseille, der im vorigen Jahr für mehrere Monate bei der Schülerhilfe unterrichtet hatte und inzwischen in Hamburg studiert, steht via Zoom zur Verfügung.

Zustande gekommen ist die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Unternehmen über einen privaten Kontakt zwischen dessen Personalchefin und Oliver Koke. Sowohl bei Personalabteilung und Geschäftsführung als auch bei den Mitarbeitern sei die Idee auf Anhieb gut angekommen, berichtet der Schülerhilfe-Chef. Bis zu 30 Schüler können die Unterstützung aus Ganderkesee in Anspruch nehmen – Ende offen. „Ich gehe davon aus, dass wir das auf jeden Fall für die Dauer des Lockdowns machen“, blickt Koke voraus.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee
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