Ganderkesee/Immer - An diesem Wochenende herrscht in der Ideentischlerei Sandkuhl in Ganderkesee eine feierliche Weihnachtsstimmung. Bereits zum sechsten Mal können sich die Besucher an den „Weihnachtswelten“ erfreuen. Die Idee zu diesem beliebten und ganz besonderen Weihnachtsmarkt hatte Kirsten Kanert (46). Bei Firma Sandkuhl ist sie für die Personalbuchhaltung und zusätzlich für das Marketing zuständig. In dieser Funktion hat sie neben den „Weihnachtswelten“ schon einige andere Events ins Leben gerufen. „Handwerk und Kultur liegen nah beieinander“, stellt Kirsten Kanert immer wieder fest. Sie ist glücklich in ihrem Beruf, obwohl sie erst über Umwege und nicht zuletzt über ihr privates Glück dazu gekommen ist.

Kirsten Pohle, so ihr Mädchenname, ist in Heide aufgewachsen. Schon im Alter von sechs Jahren begann sie bei Atlas Delmenhorst mit dem Handball. Knapp 40 Jahre blieb sie diesem Sport treu, spielte sogar in der Oberliga. Eine weitere Leidenschaft bis zum heutigen Tag: „Ich tanze für mein Leben gern“, schwärmt Kirsten. Mit 14 Jahren machte sie ihren ersten Tanzkurs und schaffte es bei den Tanzabzeichen bis zum „Goldstar“.

Lange Zeit wollte sie Optikerin werden. Bei einem Praktikum kam dann die große Ernüchterung: Sie musste drei Wochen nur Brillengestelle putzen. „Dieser Beruf hatte sich damit für mich erledigt“, erzählt Kirsten. Nach dem Realschulabschluss und der höheren Handelsschule entschied sie sich für den Beruf der Industriemechanikerin im elterlichen Unternehmen. „Das hat mir total viel Spaß gemacht und ich fühlte mich im Blaumann sehr wohl.“

Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst in Dänemark und studierte anschließend Maschinenbau in Bremen. Nach drei Semestern war ihr die Lust am Lernen aber vergangen und sie kehrte an die Werkbank im väterlichen Unternehmen zurück. Zunächst in der Montage und später als technische Mitarbeiterin im Büro. Während dieser Zeit bildete Kirsten sich zur Qualitätsmanagerin fort.

Schweren Herzens verließ sie das elterliche Unternehmen, denn sie wollte ihren zukünftigen Ehemann in dessen Firma unterstützen. 2001 heiratete Kirsten und zwei Jahre später vervollständigte Sohn Sören das perfekte Glück. Dies währte aber nicht lange, denn 2005 erkrankte Kirsten. Es folgten Jahre zwischen Hoffen und Bangen. Nie verlor Kirsten den Glauben daran, dass sie wieder ganz gesund werden würde. Sie schaffte es, aber ihre Ehe überstand diese schwere Zeit nicht.

Einige Jahre später lernte sie auf dem Büttenabend in Ganderkesee Carsten Wichmann aus Immer kennen. Sie tauschten ihre Telefonnummern aus und telefonierten hin und wieder. Zum Pfingstfest 2009 verabredeten sich beide zur gemeinsamen Fahrradtour und sind seitdem unzertrennlich. Zwei Jahre später zog Kirsten mit ihrem Sohn nach Immer.

Nicht nur privat wurden nun „Nägel mit Köpfen“ gemacht, sondern auch beruflich. Damals war ihr Lebensgefährte Carsten noch Geschäftsführer, heute ist er Inhaber der Ideentischlerei Sandkuhl. „Privat und beruflich zusammen? Bei uns klappt es super“, schwärmt Kirsten. In ganz viel Eigenarbeit und mit Hilfe von Familie und Freunden bauten sich Kirsten und Carsten vor drei Jahren ihr Eigenheim in Immer und genießen seitdem jede Minute in ihren eigenen vier Wänden. Aber auch aufs Wacken-Musikfestival fahren Kirsten und Carsten gerne.

Da ihr Carsten Vorsitzender des Schützenvereins Bürstel-Immer ist, ist auch Kirsten zur Schützin geworden. „Schützenkönigin? Vielleicht klappt es ja noch“, sagt Kirsten. Nach unserem Gespräch habe ich den Eindruck, Schützenkönigen werden, das steht für Kirsten nicht an erster Stelle. Sie ist auch so glücklich. Sie weiß dieses Glück sehr zu schätzen, denn das war in ihrem Leben ja nicht immer so.

Kirsten Kanert, die bei der Tischlerei Sandkuhl im Marketing arbeitet.