Ganderkesee - Der Kampf gegen Kinderarmut – auch in der Gemeinde Ganderkesee ist er nötig. Denn von den derzeit 5619 in der Gemeinde gemeldeten Kindern und Jugendlichen sind 578 Jungen und Mädchen unter 18 Jahren von Hartz IV betroffenen. Rechnerisch sind das also gut zehn Prozent. Zum Stichtag 30. Juni standen im Bereich des Landkreises Oldenburg insgesamt 2258 minderjährige Kinder mit ihren Eltern im SGB-II-Leistungsbezug.
Den Fokus auf die Armut der Heranwachsenden hat aktuell eine Studie der Bertelsmann-Stiftung gelenkt: Bundesweit wachsen demnach rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut auf – 21,3 Prozent aller unter 18-Jährigen. Doch es geht dabei nicht bloß nur um die materielle Versorgung.
Selbst Essen ist knapp
Der Mangel von Kindern in der Grundsicherung beginnt schon bei der Ernährung, betont Walburga Bähre, Vorsitzende der Tafel Delmenhorst, die auch Ausgabestellen in den Gemeinden Ganderkesee und Hude unterhält. Auch hier sind die Zahlen erschreckend: „Unter den 4700 Tafelgästen in der Stadt Delmenhorst sind 901 Kinder im Alter bis 15 Jahre“, zählt Bähre auf. In Ganderkesee sind es demnach 22 Kinder, die unter den 96 Leistungsberechtigten auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Ebenso hoch ist laut Bähre in etwa auch die Zahl der Betroffenen in der Gemeinde Hude.
Die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II) sichert den Lebensunterhalt. Sie ist eine aus Steuergeldern finanzierte Sozialleistung für Menschen, bei denen keine vorrangigen Hilfen greifen.
Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich auch Hartz IV genannt, ist die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). ALG II wurde zum 1. Januar 2005 eingeführt.
Einher geht die Armut der Heranwachsenden aber auch mit Folgen für ihre Entwicklung, die Bildung und ihre Zukunftschancen. Auch die soziale Teilhabe wird für die Angehörigen der Familien mit SGB-II-Bezug zum Problem. Diese Erkenntnis hat sich längst auch in der Ganderkeseer Verwaltung durchgesetzt.
Signal aus dem Rathaus
Aus dem Rathaus gibt es darum ein Signal: Neben gesetzlichen Leistungen werden auch freiwillige Unterstützungsangebote offeriert. Darunter ist seit Jahren schon das „Tornistergeld“. Es soll die Einschulung finanziell erleichtern. Eltern von Kindern, die auch in der Gemeinde Ganderkesee wohnhaft sind, nach den Sommerferien eingeschult werden, und etwa ALG II beziehen, können die freiwillige Leistung formlos im Rathaus beantragen. Mit dem „Tornistergeld“ sollen Einschulungskosten, die durch den Kauf von Materialien wie Tornister, Schultüte, Schreibutensilien oder Hefte entstehen, abgedeckt werden. Ansprechpartnerin für die Auszahlung ist Michelle Doig,
