Ganderkesee - In vielen Familien dürfte die Mitteilung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne in der vorigen Woche für ein Aufatmen gesorgt haben: Am 22. Juni wird die Notbetreuung in den niedersächsischen Kindertagesstätten von einem „eingeschränkten Regelbetrieb“ abgelöst. Bedeutet das, dass bald alles wieder laufen wird wie vor der Corona-Krise?
„Ganz sicher nicht“, ist Edith Ohlenbusch, Leiterin der Kita Sonneninsel in Bookholzberg, überzeugt. Das sei allein aufgrund der umfangreichen Kontakt- und Hygienevorgaben nicht möglich. Aber jedes ihrer 76 Krippen- und Kindergartenkinder werde ab dem 22. Juni – mit Einschränkungen –wieder Gelegenheit zum Kita-Besuch erhalten.
Derzeit gilt in den niedersächsischen Kitas eine erweiterte Notbetreuung. Seit dem 11. Mai dürfen neben den Kindern von Eltern, die in Berufszweigen von allgemeinem öffentlichem Interesse tätig sind, auch Kinder mit Förderbedarf und angehende Schulanfänger betreut werden. Kindergartengruppen können mit bis zu 13, Krippengruppen mit bis zu acht und Hortgruppen mit maximal zehn Kindern belegt werden. Es müssen strikte Kontakt- und Hygienevorgaben eingehalten werden.
Ab dem 22. Juni können Kitas wieder für alle Kinder geöffnet werden, die dort einen Betreuungsplatz haben. Der eingeschränkte Regelbetrieb sieht jedoch vor, dass das konkrete Angebot der jeweiligen Einrichtung beschränkt wird, da die Personalressourcen nicht in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Eine Durchmischung der Gruppen ist weiterhin nicht zulässig.
Im Zuge der Maßnahmen-Lockerung hat die von der Lebenshilfe getragene Einrichtung bereits damit begonnen, sich stufenweise wieder dem Normalbetrieb anzunähern. Waren zeitweilig nur noch drei Kindergartenkinder im Rahmen der Notbetreuung im Haus, so werden am Vollersweg derzeit schon wieder 37 Mädchen und Jungen betreut.
Alle anderen kehren ab dem 22. Juni jeweils für zwei Vormittage pro Woche zurück. „Wir werden die Kinder in Kleingruppen aufteilen“, erklärt Edith Ohlenbusch. Anders seien die Hygienevorschriften nicht umsetzbar. Beispielsweise müsse jedes Kind regelmäßig seine Hände waschen – „dazu brauchen Kinder aber Begleitung“, macht die Kita-Leiterin deutlich. In personeller Hinsicht sei die Sonneninsel in einer glücklichen Situation: „Alle Mitarbeiter sind an Bord“, berichtet Edith Ohlenbusch.
Die schon jetzt geltenden Vorsichtsmaßnahmen bleiben bestehen: So dürfen die einzelnen Gruppen nicht miteinander in Kontakt kommen. Bei der Übergabe der Kinder, die draußen vor dem jeweiligen Eingang zum Gruppenraum stattfindet, müssen Eltern und Personal Masken tragen. Für die Nutzung des Spielplatzes gibt es einen Zeitplan, um Begegnungen zwischen den Gruppen zu vermeiden.
Noch mitten in den Vorbereitungen für den erweiterten Regelbetrieb steckt die Ganderkeseer Gemeindeverwaltung, die für die Umsetzung der Corona-Vorgaben in den kommunalen Kitas Sorge trägt. Wie der Betreuungsturnus dort aussehen wird, steht laut Gemeindesprecher Hauke Gruhn noch nicht fest. Sobald konkrete Pläne feststünden, würden zuerst die Sorgeberechtigten informiert – voraussichtlich geschehe das in den nächsten Tagen.
Von 693 in den kommunalen Einrichtungen betreuten Kindergartenkindern haben laut Gemeindesprecher Hauke Gruhn am Stichtag 4. Juni bereits wieder 281 die Kita besucht. In den kommunalen Krippengruppen waren 58 von 210 Kindern in der Betreuung und in den Horten der Gemeinde 17 von 180 Kindern.
Fest steht schon jetzt: Auch in den Kitas in Trägerschaft der Gemeinde werden die Betreuungsangebote ab dem 22. Juni noch nicht wieder den ursprünglichen Umfang haben. „Dies kompensiert die eingeschränkte Verfügbarkeit von Personal zum Teil“, so Gruhn.
Weder bei der Gemeinde noch bei der Lebenshilfe war pädagogisches Personal von Kurzarbeit betroffen. Die Wochen vor der Ausweitung der Notbetreuung wurden – vielfach im Homeoffice – dafür genutzt, Konzepte und Planungen zu erstellen. Ihre Mitarbeiter hätten die Corona-Auszeit zudem dafür genutzt, die Akten der Kinder zu vervollständigen, Dinge zu ordnen und allerlei Liegengebliebenes zu erledigen, berichtet Sonneninsel-Leiterin Edith Ohlenbusch.
Ein wichtiges Anliegen war den Mitarbeitern der Lebenshilfe-Kita in Bookholzberg auch die Kontaktpflege: So wurden laut Edith Ohlenbusch wöchentlich Bastelvorschläge an die Familien verschickt oder später auch persönlich verteilt. Auch Videotelefonate mit den Kindern habe es regelmäßig gegeben. „Im Gegenzug durften auch wir uns morgens oft über Überraschungen im Briefkasten freuen.“
Drastische Auswirkungen hat die Pandemie indes auf den Kontakt zu den Kindern, die nach den Sommerferien neu in Kita kommen werden: „Schnuppertage sind nicht möglich“, sagt Edith Ohlenbusch. Völlig unklar sei derzeit auch noch, wie die Eingewöhnung gestaltet werden könne.
Etwas Positives kann die erfahrene Kita-Leiterin den Auswirkungen der Pandemie jedoch trotzdem abgewinnen: So entstünden in den neuen Kleingruppen ganz neue Spielkonstellationen. „Und die Erzieher können sich sehr viel intensiver mit den Kindern befassen.“
