Ganderkesee - Es sind die gerade zu Beginn der Corona-Pandemie besonders starken Bewegungseinschränkungen und Kontaktverbote gewesen, die Bürger verstärkt in den Wald zogen, um sich von dem bedrohlichen Geschehen abzulenken. Doch laut Revierförster Jens Meier hat die Krise bei einigen Waldspaziergängern sichtbar zum „Lagerkoller“ und zu heftigen Reaktionen darüber geführt, was im Naturschutzgebiet Hasbruch erlaubt und eben auch hier verboten ist.
Nach Vandalismus, Verstößen gegen das Kontaktverbot sowie weiterem Fehlverhalten von auswärtigen Hasbruchbesuchern rund um den Maifeiertag waren zuletzt Forderungen nach einem Betretungsverbot des Naturschutzgebietes laut geworden.
Betretungsverbot droht
In Absprache mit den Niedersächsischen Landesforsten hatten sich zur Abwendung einer solchen Beschränkung kurzerhand die Hasbruchfreunde aufgemacht, um den Spaziergängern an einem Wochenende am Zugang beim Forsthaus in Vielstedt Wissens- und Sehenswertes zum Hasbruch zu vermitteln und für einen ordentlichen Umgang mit der Natur zu werben. Die Waldunkundigen sollten über die im Naturschutzgebiet geltenden Verhaltensregeln aufgeklärt werden. „Familien gehen mit Fahrrädern und Kinderwagen durchs Unterholz“, hatte Hasbruchfreund Heiko Ackermann nämlich unter anderem beobachtet. Zudem seien schützenswerte Blumen gepflückt worden.
Gefruchtet hat der gute Rat der Naturschützer aber offensichtlich nur wenig: „Am darauffolgenden Wochenende, 16./17. Mai, sind Sperren in Höhe der Brücke zur Brookbäke abgerissen und Schilder zum Naturschutz zerstört worden“, ärgert sich Revierförster Meier.
Um den überwiegend von auswärts angereisten Besuchern zu zeigen, welche Bereiche in dem Naturschutzgebiet nicht betreten werden dürfen, hatte er die Areale eigens mit Absperrband kenntlich gemacht. Auch sei der Wald wiederholt vermüllt worden. „Das kann für das Wild gefährlich werden, wenn Plastikverpackungen gefressen werden“, so Meyer. Zudem könnten sich über weggeworfene Papiertaschentücher oder Lebensmittelreste Erreger unter den Tieren verbreiten.
Dafür, dass in dem Wald mit mehr als 600 Hektar Größe und einem weitläufigen Wegenetz kein rechtsfreier Raum herrscht, will Meier auch am Pfingstwochenende konsequent sorgen. Das jüngste Verhalten der Besucher könnte der Forderung nach einem Betretungsverbot auch neuen Schub geben.
Klage auf Schadenersatz
Dass Meier es bei seinen Fahrradstreifenfahrten nicht bei Ermahnungen belässt, hat ein Ehepaar erfahren, dessen Frevel von Anfang März in ein Zivilverfahren mündete. Die Landesforsten klagen auf Schadenersatz: „Am Wochenende vor Ostern hat der Mann aus Wut über die Reglementierungen am Waldeingang beim Forsthaus ein Schild zerstört“, sagt Meier. Dabei habe er ihn auf frischer Tat ertappt.
