Ganderkesee/Landkreis - Leicht gebremst, doch weiter aufwärts: Gebrauchte Einfamilienhäuser sind im Landkreis Oldenburg auch in der Corona-Krise wertvoller geworden. Die Preissteigerung bei derartigen Bestandsimmobilien hat sich infolge der bisherigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie aber verlangsamt. Das ist das Ergebnis einer Analyse der niedersächsischen Eigenheimpreise im zweiten Quartal 2020 des Instituts „empirica“ im Auftrag der LBS Norddeutsche Landesbausparkasse Berlin-Hannover (LBS Nord).
Jährliche Steigerung
Seit 2017 sind die Kaufpreise im Kreis Oldenburg demzufolge pro Jahr um durchschnittlich sechs Prozent gestiegen. Für die regelmäßig erscheinende Untersuchung werten die Immobilienexperten die Verkaufsangebote in den niedersächsischen Tageszeitungen und in Online-Portalen aus. Demzufolge musste ein durchschnittlicher Haushalt im zweiten Quartal 2020 im Landkreis 5,7 Jahreseinkommen für ein gebrauchtes Einfamilienhaus ausgeben – in der Summe ist das ein Standardpreis von 328.750 Euro.
Die Bandbreite der jetzt 174 untersuchten Offerten mit einer Durchschnittswohnfläche von 173 Quadratmetern reichte von Einfamilienhäusern ab 279.000 Euro bis zu solchen Bestandsimmobilien mit einem Verkaufspreis in Höhe von 391.500 Euro.
Teuerste Gemeinde
Teuerstes Pflaster im Kreis Oldenburg bleibt auch weiterhin die Gemeinde Ganderkesee. Der Standardpreis betrug hier laut Erhebung 360.000 Euro für das Gebrauchteigenheim. Das entspricht 6,2 im Landkreis durchschnittlichen Jahreseinkommen. Vor Beginn der Corona-Pandemie (3. Quartal 2019) lagen die Werte noch bei 352 .000 Euro Standardpreis, entsprechend 6,8 Jahreseinkommen.
Im Vergleich dazu ist ein Hauskauf in der Gemeinde Großenkneten geradezu günstig – aktuell 295.000 Euro beträgt der Standardpreis für den 5,1 durchschnittliche Jahreseinkommen aufgewendet werden müssen (2019: 281.650/5,4).
Zwei Premiumstandorte
„Vor allem an den Premiumstandorten Ganderkesee und Wildeshausen wird sich der Preisanstieg auch langfristig fortsetzen“, ist der Ganderkeseer Immobilienmakler Heinz Stoffels (von Poll Immobilien) überzeugt. Der signifikante Preisauftrieb der letzten beiden Jahre habe sich aber verlangsamt. Ob das dauerhaft so bleibt, bezweifelt Stoffels indes. „Immobilien an den beiden Premiumstandorten, aber inzwischen auch umzu, etwa in Dötlingen, sind weiterhin sehr begehrt“, hat er festgestellt.
Keine Notverkäufe
Potenzielle Käufer, die in der Corona-Krise auf fallende Preise setzen, würden enttäuscht: „In der Region erwarten wird keine Verkaufswelle aufgrund von wirtschaftlicher Not“, so Stoffels.
Auch Dr. Rüdiger Kamp, Vorstandsvorsitzender der LBS Nord, hält einen „Ausverkauf“ für unwahrscheinlich: „Im Augenblick beobachten wir eine kleine Atempause bei den Immobilienpreisen. Das kann sich aber schnell ändern.“ Nach wie vor sei das Angebot auf dem Immobilienmarkt knapp, und die Nachfrage nach Eigenheimen werde weiter steigen.
Die Corona-Krise könnte sogar zum Preistreiber werden: „Denn gerade durch die Erfahrungen der letzten Monate ist vielen Menschen bewusst geworden, welch großen Wert ausreichend Platz in den eigenen vier Wänden und ein eigener Garten haben können,“ so der Vorstandsvorsitzende.
