Ganderkesee - Es geht eher selten in die große, weite Welt, wenn am „Airfield“ Flugzeuge und Hubschrauber abheben – doch der Blick auf die Start- und Landebahn tauge dennoch als schnell verfügbares Mittel gegen Fernweh, findet Elisabeth Kühling. Die Gästeführerin aus Schierbrok verabredet sich gelegentlich am Ganderkeseer Flugplatz auf eine Tasse Kaffee. Man könne hier so herrlich von fernen Zielen träumen.
Ihr erklärter Lieblingsplatz sei der Flugplatz nicht, denn den gebe es nicht. „Ich genieße immer den Ort, an dem ich mich gerade aufhalte“, sagt die 67-Jährige, die 2009 zum Gästeführer-Team der Gemeinde stieß und als dessen Sprecherin fungiert.
Aus Dortmund zugezogen
Vor 30 Jahren ist Elisabeth Kühling, die am Niederrhein geboren wurde, mit Ehemann und drei kleinen Kindern aus Dortmund nach Schierbrok gezogen. An den ersten Eindruck ihres neuen Umfelds erinnert sie sich genau: „Ich dachte beim ersten Besichtigungstermin: Kann man hier leben?“ Der Bremer Weg, wo das Ehepaar Kühling bis heute wohnt, sei ihr wie ein Waldweg vorgekommen, erzählt die Gästeführerin lachend. Doch die Zweifel hätten sich schnell gelegt. Ihr künftiges Wohnhaus mit Garten zu betreten, habe sich angefühlt, „wie nach Hause zu kommen“.
Dass sich die Familie schnell eingelebt habe, sei auch vielen guten Sozialkontakten zu verdanken. Aber vielleicht liegt es auch am offenen Blick, mit dem Elisabeth Kühling durch die Welt geht: Bei ihren Führungen wollte sie sich nie auf einzelne Bereiche Ganderkesees konzentrieren, sondern stets Neues erkunden – möglichst alle Bauerschaften mit ihren Besonderheiten kennenlernen.
Interessant mache die Gemeinde ihre Vielfalt, findet die Schierbrokerin. So sei vielerorts noch nachvollziehbar, wie die Eiszeit die Landschaft modelliert habe. In Almsloh etwa. Die Oldenburger Straße, einst Verbindung der Postkutschen zwischen Oldenburg und Bremen, habe Allee-Charakter. Von Rethorn aus könne man über Marschland hinweg bis zur Weser schauen. Neuenlande empfindet die Gästeführerin als „andere Welt“ – sie bedauert, „dass es hier so wenig renaturiertes Moor gibt“. Eine „ganz besondere Atmosphäre“ habe auch der Heidenwall bei Dehlthun – im Mittelalter eine Fluchtburg der Bevölkerung.
Engagierte Ortsvereine
Und abseits vom Touristischen – was ist gut in Ganderkesee, was fehlt der Gemeinde? Positiv findet Elisabeth Kühling das Engagement der Orts- und Bürgervereine. „Die bringen eine Menge auf den Weg.“ Sie selbst ist Mitglied im Ortsverein Schierbrok-Stenum, im Landfrauenverein und unterstützt die Hasbruchfreunde aktiv. Ebenfalls bemerkenswert findet sie, dass in den vergangenen Jahren viele Wohnmöglichkeiten für Senioren entstanden seien.
Kleine Abzüge erteilt Elisabeth Kühling der Gemeinde für ihre „Shopping-Qualität“: Kleider und Schuhe kaufe sie eher auswärts. Und die Einkehrmöglichkeiten bei Ausflügen seien in den vergangenen Jahren leider zurückgegangen. Eine tolle Alternative zu den vielerorts geschlossenen Gasthöfen böten aber die Melkhüser. Positiv bewertet sie die gute Versorgung mit den Gütern des täglichen Bedarfs. „Bereichernd sind auch die Hofläden mit regionalen Produkten.“
