Ganderkesee/Landkreis - Der Ton wird schärfer, das Klima rauer, die Konfrontation härter: Zwischen den Interessenvertretern der Landwirtschaft und Umweltverbänden klafft ein tiefer Graben, seit in Niedersachsen das Volksbegehren „Artenvielfalt jetzt“ läuft. Vor allem die Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ (LSV) schürt den Protest und kritisiert insbesondere den Naturschutzbund (Nabu). Nach jüngsten Aktionen und Vorwürfen von LSV und Landvolk sehen sich der Nabu und das Aktionsbündnis Landkreis Oldenburg, das das Volksbegehren vorantreibt, zu einer Gegenreaktion veranlasst.

Worum geht es in dem Konflikt vor allem?

Die Landwirte werfen dem Nabu vor, die gemeinsam mit der Landesregierung beschlossene Vereinbarung „Der Niedersächsische Weg“ zu torpedieren. Bei einer Unterschriftenaktion in Oldenburg bauten sich vergangene Woche Vertreter von LSV und Landvolk beim Stand der Initiative „Omnibus für direkte Demokratie“ auf. Sie kritisierten, dass Helfer der Unterschriftenaktion nur unzureichend über die Inhalte des Volksbegehrens Bescheid wüssten.

Wie sieht der Nabu vor Ort seine Rolle?

Das Volksbegehren werde von sehr verschiedenen Organisationen unterstützt, erklärt Heiko Ackermann, Pressereferent des Nabu in Ganderkesee. Als größte Umweltorganisation der Gemeinde nehme der Nabu organisatorische Aufgaben zur Realisierung des Volksbegehrens wahr. Kommerzielle Firmen seien hier wie auf Landesebene nicht an den Unterschriftensammlungen beteiligt. Mittlerweile habe der Nabu in Ganderkesee auch schon mehr als 50 Einzelpersonen, die nicht vereinsgebunden seien, mit Unterschriftenlisten ausgestattet.

KOMMENTAR Positionen anerkennen

Hergen Schelling

Was sagen die Unterstützer des Volksbegehrens?

Inhaltlich seien das Aktionsbündnis für das Volksbegehren und der Niedersächsische Weg dicht beieinander, findet Birte Wachtendorf, Sprecherin des Aktionsbündnisses im Landkreis Oldenburg. Das Volksbegehren solle Druck aufbauen, um aus dem Niedersächsischen Weg Gesetze zu machen. Dies sei laut Landesregierung auch im Sinne des Landvolks, meint Wachtendorf und nennt das Verhalten der Landwirte völlig unverständlich. „Einen Sinn ergeben die Gegenaktionen erst, wenn das Landvolk es mit der Unterschrift unter dem Niedersächsischen Weg nicht ernst meint (...), was wir dem Landvolk aber nicht unterstellen wollen“, so Wachtendorf.

Was erwartet das Aktionsbündnis jetzt?

Dem Nabu „Wortbruch“ vorzuwerfen, weil er neben dem Niedersächsischen Weg auch das Volksbegehren unterstütze, sei „dummes Zeug“, kritisiert Birte Wachtendorf. Schließlich sei das Volksbegehren schon im Sommer 2019 eingeleitet, der Niedersächsische Weg indes erst im Januar 2020 initiiert worden. „Ohne das Volksbegehren würde es den Niedersächsischen Weg nicht geben.“ Die Unterschriftensammlung, so die Sprecherin des Aktionsbündnisses, sei „eine Motivation in Richtung Politik, aus Worten Taten werden zu lassen, und eine Motivation in Richtung Verbraucher, sich mit den Rahmenbedingungen der Landwirtschaft zu beschäftigen.“ Dies müssten für alle Bäuerinnen und Bauern Gründe genug sein, das Volksbegehren auch zu unterschreiben.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)