Ganderkesee/Landkreis - Ein Recht auf menschenwürdigen, altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum. Das fordert Jürgen Lüdtke, Chef der Seniorenvertretung im Kreis Oldenburg und in der Gemeinde Ganderkesee. Hintergrund ist die Warnung der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) vor der „grauen Wohnungsnot“. Nur ein kleiner Teil der Wohnungen im Kreis Oldenburg sei für die Generation Ü 65 geeignet, mahnt die Gewerkschaft aktuell.
Bevölkerung immer älter
Die Arbeitnehmervertreter berufen sich dabei auf eine Demografie-Prognose des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft. Deren Erhebungen zufolge könnte die Zahl der Einwohner, die älter als 65 sind, bis 2035 kreisweit auf 38 300 Menschen anwachsen – das sind laut Gewerkschaft 41 Prozent mehr als noch im Jahr 2017. Der Anteil der Älteren an der Bevölkerung läge 2035 dann bereits bei 29 Prozent (2017: 21 Prozent).
Nur ein kleiner Teil der Wohnungen sei aber für die rasant wachsende Generation Ü 65 geeignet, so die Gewerkschaft. Gabriele Knue, Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordwest-Niedersachsen, spricht darum von einer „demografischen Notwendigkeit“ zum Handeln. Nicht nur müssten zusätzliche Seniorenwohnungen gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehenden Wohnraums sei der Nachholbedarf groß
Die Wohnberater werden über den Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen für den Landkreis Oldenburg – Bereich Senioren – organisiert. Ansprechpartnerin Inca Schröder ist erreichbar unter 0 44 31/ 8 54 42; per E-Mail: inca.schroeder@oldenburg-kreis.de.
Das Sprachrohr für die Generation 60+ im Landkreis Oldenburg ist die Seniorenvertretung. Sie arbeitet unabhängig, überparteilich und konfessionell neutral sowie verbandsunabhängig. Ihr Vorsitzender ist der Ganderkeseer Jürgen Lüdtke
Das sieht auch Jürgen Lüdtke so. „Viele Häuser sind durch familiäre Veränderungen zu groß geworden und nicht barrierefrei“, sagt der Vorsitzende der beiden Seniorenvertretungen. Der Heider ist neben seiner Vorstandstätigkeit auch als Seniorenbegleiter und kreisweit zudem als ehrenamtlicher Wohnberater tätig.
Krise schärft den Blick
Die Corona-Krise habe solche Defizite verstärkt ins Licht gerückt. „Oft merken die Kinder, dass sich mit den Eltern etwas verändert hat – dass sie sich nicht mehr frei in der Wohnung bewegen können“, hatte Lüdtke schon im Mai festgestellt, als er am Sorgentelefon der Kreis-Seniorenvertretung Betroffene und deren Angehörige beriet. Zuletzt am meisten nachgefragt waren bei den ehrenamtlichen Wohnberatern des Kreises Möglichkeiten zum Umbau eines Badezimmers.
Altersgerechte Neubauten
Doch auch beim Thema altersgerechte Neubauten gibt es noch viel zu tun – aber auch zu schlichten. Denn kleine, seniorengerechte Wohneinheiten realisieren Investoren gern in Form von größeren Mehrparteienhäusern, dies auch in bestehenden Wohnsiedlungen. Gegner sprechen von „Wohnklötzen“. In Wildeshausen hat jüngst am Haferweg ein zweigeschossiger Neubau mit Staffelgeschoss die Gemüter der Anlieger derart erregt, dass es zur Gründung einer Bürgerinitiative kam.
Ob Sanierung oder Neubau, für die IG Bau ist eines bedeutsam: Die Lebensqualität Tausender stehe am Ende im Kreis Oldenburg auf dem Spiel. „Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“, sagt Gewerkschafterin Gabriele Knue.
Ein Instrument, um das zu verhindern, hat der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistages gerade auf den Weg gebracht: Er verlängerte die Fortsetzung des Wohnraumversorgungskonzeptes für die nächsten fünf Jahre. So soll den acht kreisangehörigen Kommunen eine Grundlage für ihre Planungen gegeben werden. Auch das Wohnraumförderprogramm des Landes Niedersachsen kann nun weiter in Anspruch genommen werden. Ebenso weiter läuft der Arbeitskreis „Bezahlbarer Wohnraum“
