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Mobilität Auf den Gleisen wird’s wackelig


Nach der Premiere 2016 gab es am Mittwoch eine zweite Rolli-Tour des ASG  durch den Ort.
Karoline Schulz

Nach der Premiere 2016 gab es am Mittwoch eine zweite Rolli-Tour des ASG durch den Ort.

Karoline Schulz

Ganderkesee - „Der Muskelkater ist auf jeden Fall vorprogrammiert“, denke ich und versuche, etwas zügiger voranzukommen. Der neunjährige Thilo aus Elmeloh düst ganz lässig an mir vorbei, aber immerhin kann ich Sabine Finke von der Gemeindeverwaltung abhängen. Aber darum geht es ja gar nicht. Wir fahren kein Rennen, sondern nehmen an der 2. Rolli-Tour des Arbeitskreises der Selbsthilfe- und Initiativgruppen der Gemeinde Ganderkesee (ASG) teil. Mit Rollstühlen starten wir auf dem Parkplatz an der Wittekindstraße. Sabine Bretzke und ihre Kollegen vom ASG haben uns einige Aufgaben gestellt, die wir am Mittwochnachmittag lösen müssen.

Ab ins Beet

Ein Zugticket am Automaten zu ziehen, klappt problemlos, doch auf dem Weg dahin passiert das erste Missgeschick. Weil ich mir kurz Notizen für diesen Artikel machen will, schiebt mich meine Kollegin Karoline Schulz, die als Fotografin dabei ist, ein Stück. Allerdings hat sie nur eine Hand frei, in der anderen hält sie die Kamera. Und prompt rollt der Rollstuhl über einen Stein, der etwas aus dem Weg herausragt, und ich lande mit einem Rad im Beet. Um hier wieder herauszukommen, bin ich auf meine Kollegin angewiesen, und sie auf ihre beiden Hände.

„Als Rollstuhlfahrer muss man immer aufpassen“, sagt Susanne Steffgen, die seit 2012 im Rollstuhl sitzt. „Löcher in der Straße und Gullydeckel, die hochstehen, gibt es überall.“ Mehrmals sei sie schon gestürzt.

Über die Bahngleise geht es weiter zum Festplatz. Mit etwas Schwung komme ich über die Schienen. Für einen Moment habe ich allerdings das Gefühl, umzukippen. Reflexartig stütze ich mich mit den Füßen ab – wenn ich tatsächlich auf den Rollstuhl angewiesen wäre, wäre das jetzt nicht möglich gewesen. Susanne Steffgen gibt mir den Tipp, rückwärts über Gleise sowie Bordsteine zu fahren, dann kippe man nicht so schnell um. Da fühle ich mich als Anfängerin aber unwohl. Ich habe schon beim Vorwärtsfahren das Gefühl, die Autofahrer müssen ewig auf mich warten.

Lösungen finden

Über die Gleise und auf den Festplatz fahre sie sonst nie, sagt Jutta von Flottwell, die seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt. „Das ist alles zu uneben.“ Und das merken auch wir Tester. Sabine Finke und ich schrammen mit den Fußstützen über den Boden, als wir die kleine Wasserrinne auf dem Festplatz durchqueren. „Die Behindertenparkplätze sind viel zu kurz“, zeigt uns Sabine Bretzke. Wer seinen Rollstuhl aus dem Auto holen will, steht schon in der Rinne. Apropos Autos: Herannahende Fahrzeuge sind aus sitzender Perspektive gerade auf Parkplätzen schwer zu sehen.

Das Behinderten-WC in der Gemeindebücherei, das wir anschließend in Augenschein nehmen, ist in Ordnung. Allerdings können Rollstuhlfahrer nicht die erste Ebene, die Jugendbuchabteilung, erreichen.

Bei der Poststelle im Inkoop-Markt lässt sich die Paketkarte auch als Rollstuhlfahrer problemlos ausfüllen, denn es gibt einen niedrigen Tisch. SPD-Ratsherr Marcel Dönike testet derweil die Kassen. „Da bleibe ich stecken“, berichtet er. Nur eine Kasse ist breit genug für Rollstühle, weiß Susanne Steffgen, nur die sei selten besetzt. Ihre (umständliche) Lösung: „Ich lege meine Waren auf das Band und fahre dann einmal durch den Laden zurück, um auf der anderen Seite der Kasse zu bezahlen.“

Rollstuhlfahren strengt an. Thilo gönnt sich bei der Hitze ein Eis. Doch mit einer Hand kann er schlecht weiterfahren. Gut, dieses Problem wird die Gemeinde nicht lösen können. An anderen Stellen sei aber schon einiges passiert, sagt Sabine Bretzke. So habe die Gemeinde nach der ersten Rolli-Tour vor zwei Jahren das Behinderten-WC der regioVHS umgestaltet, das schwer zu erreichen war. Bürgermeisterin Alice Gerken nahm die Vorschläge der Gruppe am Ende der Tour entgegen.

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