Ganderkesee - Auch knapp drei Wochen nach dem Brand, der das Ganderkeseer Bahnhofsgebäude und darin das Lokal „Gantero“ schwer beschädigt hat, ist die Bestandsaufnahme zum Schaden an der Immobilie im Eigentum der Gemeinde Ganderkesee noch nicht abgeschlossen. Nachdem der Brandort lange Zeit von der Polizei-Ermittlungsgruppe „Gantero“ beschlagnahmt war, haben Handwerker in den letzten Tagen immerhin Sicherungsarbeiten erledigen können, um das Gebäude vor weiterem Schaden zu bewahren.
So ist der teils abgebrannten Dachstuhl jetzt mit Folien gegen das Eindringen von Regenwasser geschützt. Auch der Keller ist vom Löschwasser leergepumpt worden. Außerdem wurde ein Bauzaun aufgestellt und erster Schutt ist in bereitgestellte Container gekippt worden.
Brandursache steht fest
Offiziell geht die Staatsanwaltschaft Oldenburg jetzt von Brandstiftung als Ursache für das Feuer aus. Das bestätigte Staatsanwalt Martin Rüppell der NWZ am Montag auf Nachfrage. Zunächst hatten nur Indizien auf eine mögliche Brandlegung hingedeutet. Von der Polizei waren noch während der Löscharbeiten Flaschen mit Brandbeschleuniger sichergestellt und Einbruchsspuren festgestellt worden. Zudem hatte es gleich an zwei Stellen gebrannt
Weniger eindeutig bleibt laut Staatsanwaltschaft auch zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin ein tatsächlich rechtsmotivierter Hintergrund der Tat. Am Brandort waren Symbole der rechten Szene vorgefunden worden, ein Hakenkreuz sowie die Zahl „88“. Spekulationen gab es über ein mögliches Motiv für eine solche rechtsmotivierte Brandstiftung: Für Jan Krieger vom Regionalbüro Nord-West der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie Niedersachsen drängten sich Parallelen zu zwei weiteren Brandanschlägen im Raum Bremen auf – alle Betreiber der drei Gastronomien haben einen Migrationshintergrund.
Verheerendes Feuer
Verheerend hatte das Feuer am frühen Morgen des 14. Oktobers im alten Bahnhof gewütet. Die Polizei ging in einer ersten Schätzung von 500 000 Euro Schaden aus. Denn gebrannt hatte es gleich an zwei Stellen: im Dachgeschoss und im Keller.
Ein rascher Wiederaufbau des „Tors zum Ortskern“ ist so bald nicht in Sicht: „Die Bestandsaufnahme zum Schaden ist noch nicht abgeschlossen, das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daraus ergibt sich alles weitere“, sagte Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Parallel seien auch noch Versicherungsfragen zu klären. Für den Wiederaufbau der ortsbildprägenden Immobilie haben sich neben Bürgermeisterin Alice Gerken auch die im Ganderkeseer Rat vertretenen Fraktionen ausgesprochen – ebenso wie Gerold Ahlers vom Orts- und Heimatverein Ganderkesee. Lediglich Ratsfrau Susanne Steffgen (Die Linke) hatte angeregt, auch über eine andere Nutzung nachzudenken – statt einer Sanierung über den Neubau eines barrierefreien Bürgerhauses für Vereine, Gruppen und Initiativen.
