Ganderkesee - Bezahlbarer Wohnraum bleibt in der Gemeinde Ganderkesee knapp – trotz zahlreicher Neubauten, unter ihnen viele Mehrparteienhäuser. Doch gerade diese verändern im Hauptort nicht nur das Ortsbild. Die Großbauten tragen auch dazu bei, dass die Infrastruktur zusehens an ihre Grenzen kommt. Zum Jahreswechsel facht die Ganderkeseer SPD-Fraktion die Diskussion um ein „Dichtekonzept“ zum richtigen Maß für eine tragfähige Siedlungsstruktur an.
„Es muss weiterhin Wohnraum bereitgestellt werden, der muss aber mit der Umwelt, der bestehenden Siedlungsstruktur und sozialen Aspekten zusammenpassen“, stellt der stellvertretende Fraktionschef Marcel Dönike klar. Zur Steuerung der Innenentwicklung drängt seine Fraktion auf professionelle Hilfe. Eine Fachfirma soll ein städtebauliches Entwicklungskonzept erstellen und ermitteln, wo Lückenbebauung oder eine in zweiter Reihe noch sinnvoll und dem nachbarschaftlichen Umfeld vermittelbar ist. Auch sollen alle schon gültigen Bebauungspläne geprüft werden.
Ziel Pläne anpassen
„Das ist ganz besonders wichtig“, so Dönike. Denn die zumeist aus den 1970ern stammenden Regelungen, was wo und wie gebaut werden darf, seien längst nicht mehr zeitgemäß. Vor allem die Frage, welche „Ersatzbebauung“ in alten Siedlungsstrukturen erlaubt und verträglich ist, sorge immer wieder für eine Kontroverse. Zu gegensätzlich seien oft die Interessen von Investoren und Anwohnern.
In Siedlungen, in denen alte Häuschen verkauft würden, könnten nach jetziger Rechtslage an deren Stelle rasch kapitale Mehrfamilienhaus entstehen. In alten Siedlungslagen und inzwischen auch in Bookholzberg steige darum der Unmut von Bürgern, die sich über zu große Bauvorhaben in ihrer Nachbarschaft beklagen. Dönike fordert nun ein Mitspracherecht von Rat und Verwaltung bei Bauvorhaben.
CDU erinnert an alte Idee
„Kontroversen ums richtige Maß sind nicht neu – auch nicht um den Umgang mit bestehenden Bebauungsplänen“, erinnert der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf Wessel an einen vor Jahren abgelehnten Antrag seiner Fraktion zur Anpassung bestehender Bebauungspläne. Wessel beteuert: „Wir würden uns einer jetzt wieder zur Diskussion stehenden Neubewertung bestehender B-Pläne nicht verschließen.“
Dass Bauherren und Investoren längst nicht immer den Geschmack der Alteingesessenen treffen, zeigte sich unter anderem auf der Köhlerwiese durch massive Parkprobleme oder am Fahrener Weg. Dort hatte Heimatforscher Hermann Speckmann einen Großbau kritisiert. Das jüngste Beispiel, was alles machbar ist, liegt im Baugebiet „südlich Oldenburger Straße“. Dort sorgen zweigeschossige Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschoss mit je acht Wohneinheiten laut dem FDP-Mitglied und früheren Ratsherrn Konrad Lübbe „für Entsetzen“ bei den Eigentümern von neuen Einfamilienhäusern. In unmittelbarer Nähe entstünden sogar noch zwei weitere „Wohnklötze“.
Politik übt Selbstkritik
Die dortige Häufung massiver Bauten bringt auch Ralf Wessel zum Nachdenken: „Wir sollten uns bei der Bauleitplanung selbst besser disziplinieren“, legt er allen Ratsmitgliedern ans Herz. Das Ziel müsse weiterhin eine „behutsame Entwicklung“ sein – gerade auch zum Wohle der Ganderkeseer, die in ihrer Heimat bauen möchten, darunter etwa junge Familien.
Damit Bauerschaften „nicht ausbluten“ war im vergangenen Gemeindeentwicklungsausschuss eine gesetzliche Regelung für erleichtertes Bauen auf kleinen Flächen im Außenbereich gefordert worden. Eine Änderung des Bundes-Baugesetzbuches stellt jetzt die örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag in Aussicht.
Um das Nebeneinander von Wohnen und landwirtschaftlichen Betrieben sowie gewerblicher Nutzung in Dörfern zu erleichtern, soll für ländliche Räume die Gebietskategorie „Dörfliches Wohngebiet“ zur Stärkung der Dorfkerne eingeführt werden. Die erste Lesung des Gesetzesvorhabens ist für den Januar terminiert.
Dass Geschossbau und mithin sozialer Wohnbau auch weiterhin zur Gemeinde gehören müssen, betont Dönike. „Aber dann dort, wo er hinpasst.“ Als gelungenes Beispiel dafür führt er die Geschossbauten in Bookholzberg an der Stedinger Straße an. Dort, wo einst das Lokal Krafft und ein Autohaus standen. „Das sind Standorte, die nicht in Konkurrenz zu Einfamilienhäusern stehen“, präzisiert der stellvertretende SPD-Fraktionschef seine Forderung.
