Ganderkesee - Die meisten Menschen würden am liebsten in ihrem Zuhause sterben, wenn sie die Wahl hätten, berichtet Haik Westendorf, Leitende Koordinatorin des Palliativstützpunktes Landkreis Oldenburg und Delmenhorst. Doch oft würden an einer unheilbaren Krankheit Leidende wieder ins Krankenhaus eingeliefert, wenn sie Schmerzen haben. Dort setzt die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) an.
„Es geht darum, Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen, zu Hause oder in Pflegeheimen“, erläutert Haik Westendorf. Palliative Care, das ist ganzheitliche, wörtlich „ummantelnde“, Pflege. Der Stützpunkt wird im Sinne der SAPV tätig, wenn es eine starke Symptomatik beim Patienten gibt, wie Luftnot, Erbrechen, Durchfall, Angstzustände.
Seit 2011 gibt es den Palliativstützpunkt in Ganderkesee, der zunächst in der Gemeinde und in Delmenhorst tätig war. 2015 wurde der gesamte Landkreis mit in den Bereich aufgenommen, „weil der Bedarf so gewachsen ist“, sagt die Leitende Koordinatorin Haik Westendorf.
Im Dezember 2020 ist der Stützpunkt umgezogen: vom Knick an die Weststraße 3 in Ganderkesee. Die Räumlichkeiten waren für das Team zu klein geworden.
Das Team besteht aus drei Koordinatoren, drei Palliative-Care-Pflegefachkräften und zwei Leitenden Palliativmedizinern. Die „Work-Life-Balance-Beauftragte“, Hündin Luna, vervollständigt das Team.
Seit 2007 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Die Kosten tragen die Krankenkassen.
Großes Netzwerk
Das Team aus drei Koordinatoren, drei Palliative-Care-Fachkräften und zwei leitenden Palliativmedizinern unterstützt Betroffene und Angehörige. Hinzu kommt ein Netzwerk aus Hausärzten, Palliativmedizinern, Hospizen, Pflegediensten, Apotheken, ambulantem Hospizdienst, Hospizkreis und Palliativstation. Der Hausarzt bleibt dabei der erste Ansprechpartner, der auch die SAPV verordnet – seit 2007 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf diese Versorgung. Bezahlt wird sie durch die Krankenkassen.
Auch mit dem Verein Lebenswunsch, der Sterbenden am Ende ihres Lebens einen letzten Wunsch erfüllt, arbeitet der Stützpunkt zusammen. „Das ist immer schön“, erzählt Haik Westendorf.
Wenn sich jemand für die Dienste des Stützpunktes interessiert oder ein Kontakt zum Beispiel über eine Palliativstation entsteht, fährt zunächst einer der Koordinatoren zum potenziellen Patienten und klärt, wie der Bedarf ist. Die Pflegekräfte besuchen dann regelmäßig die Patienten, sind aber ausdrücklich nicht für Körperpflege zuständig. Für eingetragene Patienten ist der Palliativstützpunkt rund um die Uhr telefonisch erreichbar.
Selbstreflexion wichtig
Da die Mitarbeiter auch in der Sterbephase eng am Patienten arbeiten, gibt es regelmäßige Fallbesprechungen des Teams sowie Supervisionen, die derzeit allerdings wegen der Pandemie ausfallen. „Gerade für die Pflegekräfte finde ich das wichtig, weil sie immer nah dran sind“, betont Haik Westendorf.
Trotz dieser Nähe müssten sie professionell bleiben. Wenn das einmal nicht gelingt, könne die Pflegefachkraft das offen ansprechen und es kann gewechselt werden. Wichtig bei dieser Arbeit sei daher immer, sich selbst zu reflektieren, sagt Westendorf.
