Ganderkesee - Die Stromkosten senken und dabei auch noch zum Klimaschutz beitragen? Für immer mehr Ganderkeseer soll das kein Wunschtraum mehr bleiben: „Wir sind vom Ansturm völlig überrascht worden“, berichtet Gerhard Lüllmann von der ersten Balkonkraftwerk-Vorführung der Gemeinschaft Klimaschutz Ganderkesee (GKG) am vergangenen Samstag. „Insgesamt haben wir wohl 80 Gespräche mit interessierten Bürgern geführt und konnten die live Strom erzeugende Anlage immer wieder vorführen und erläutern“, blickt Lüllmann auf der Aktion vor dem Kornkraft-Bioladen zurück.
Stecker rein und los
Ein Balkonkraftwerk ist eine steckerfertige Mini-Solaranlage, die einfach an das Stromnetz von Haus oder Wohnung angeschlossen wird. Die Stecker-Solaranlagen, auch Mini-PV oder Plug-In-Kraftwerk genannt, lassen sich auf Balkonen, Carports oder Terrassen anbringen und auch ohne feste Installation aufstellen.
Der erzeugte Strom fließt ins Hausnetz und reduziert so die Stromrechnung. Eine Speicherlösung gibt es jedoch nicht – sie würde das System auch deutlich verteuern.
Technisch erforderlich für eine Einspeisung zum Eigenverbrauch ist laut Lüllmann lediglich eine freie Außensteckdose. Der erzeugte Strom kann sofort für den eigenen Bedarf genutzt werden. Allerdings ist eine Anmeldung der Anlage beim Versorgungsnetzbetreiber erforderlich. Und Mieter müssen vorher Rücksprache mit ihrem Vermieter halten.
40 echte Interessenten
„Wir freuen uns sehr, dass fast 40 Bürger sich in eine Interessenliste eingetragen haben, um jetzt genauere Informationen und Angebote von Solarlieferanten zu bekommen. Wir sehen es auch als gutes Zeichen, mehr ,hausgemachten’ Klimaschutz betreiben zu wollen“, ist der Solarexperte erfreut.
Dass sich bei der ersten Vorstellung in Ganderkesee überwiegend ältere Interessenten eingefunden haben, die sich für die besondere Technik interessierten, ist für den Solarexperten nicht ungewöhnlich. „Diese Art der Stromerzeugung eignet sich für Bestandsgebäude, auch für kleine Flächen. Wer jetzt jung neu baut, wird eher eine große Solaranlage auf dem Dach einplanen“, sagt Lüllmann, der früher Lehrer am Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Hollen war. Doch auch eine kleine Anlage habe ihren „Charme“.
Anlage rechnet sich
„Ein Balkonkraftwerk zum Preis von etwa 600 Euro können sich viele Bürger leisten, es hat sich in drei bis fünf Jahren schon amortisiert und spart dabei auch danach noch Stromkosten von rund 100 Euro im Jahr ein.“ Und ein weiterer Grund spreche für eine Investition: „Im Landkreis Oldenburg wird diese Anlage außerdem in 2021 und 2022 mit einem Zuschuss von bis zu 300 Euro gefördert“, sagt Lüllmann.
Nächster Termin
Die nächste Gelegenheit, sich mit der Technik eines Balkonkraftwerks vertraut zu machen, haben Interessierte am Samstag, 23. Oktober, ab 10.30 Uhr vor dem BBM Baumarkt in Ganderkesee an der Rudolf-Diesel-Straße 2.
