Ganderkesee - Dass der Baumschutz in der Gemeinde Ganderkesee bei Grundstücksbesitzern nicht den höchsten Stellenwert genießt, ist hinlänglich bekannt. Dass die Verwaltung nun aber mitteilt, gleich 25 bislang gesunde Großbäume in Wohngebieten auf öffentlichem Grund fällen zu lassen – auch aus wirtschaftlichen Aspekten – ist neu. „Kritische“ Standorte seien es, die es erforderten, die kapitalen Eichen und anderen Bäume an vier Ganderkeseer Straßenzügen mittelfristig zu entfernen.
Die Festlegung auf die nun betroffenen Baumarten geschah in den 70er und 80er Jahren und erweist sich aufgrund des Wurzelraummangels als nicht glücklich an den Straßen, die einen hohen Versiegelungsgrad aufweisen. Gegen die Baumfällungen entlang des Sperberweges (zehn Roteichen), des Anemonenweges (zehn Eichen) sowie an der Platanen- und der Akazienstraße (insgesamt fünf Bäume) zieht nun die SPD-Fraktion zu Felde.
Öffentlich hätte das Thema im jüngsten Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz behandelt werden sollen. Aufgrund überlanger Diskussionen über andere Punkte wurde es vertagt. Aus einem Gutachten von September 2019 geht hervor, dass alle überprüften Bäume keine akute Gefährdung der Verkehrssicherheit aufweisen.
Mit der Aufstellung einer Baumschutzsatzung tut sich Ganderkesees Rat schwer. Auch Kompromisslösungen wurden bislang verworfen.
Vor der Sommerpause wurde die Entscheidung über eine Satzung und die Richtlinie zur Bezuschussung von Baumpflegearbeiten von der Tagesordnung genommen.
Es gebe in den Fraktionen und in der Verwaltung noch Klärungsbedarf, hieß es.
Sorge um Standfestigkeit
Jedoch gebe es „Defizite der Vitalität“, und die Sicherheit beginne zu leiden. Nur eine – sehr kostspielige – Verbesserung ihrer Standortbedingungen sichere den Erhalt langfristig. Was darf der Baumschutz kosten? Weil sich die Standorte an allen vier Straßen ähneln, stellte der Kommunalservice eine gemeinsame Schätzung auf: Sperberweg und Anemonenweg mit jeweils zehn Bäumen schlugen mit je rund 50 000 Euro ins Kontor. An Platanen- und Akazienstraße würde der Erhalt von weiteren fünf Bäumen insgesamt rund 25 000 Euro kosten.
Für den SPD-Fraktionschef Ulf Moritz steht fest: „Große Bäume mit reicher Krone sind von erheblichem Wert für die Kohlendioxidbindung.“ Sie aus rein wirtschaftlichen Gründen zu entnehmen, sei kontraproduktiv. „Die Fällung wäre das absolut falsche Signal in einer Zeit, da sich der Gemeinderat mit Richtlinien befasst, wie man Bürger beim Erhalt schützenswerter Bäume unterstützen kann.“ Die SPD beantragt, statt der Entfernung die vom Gutachter empfohlenen Verbesserungen vorzunehmen.
Einer Doppelmoral gleich kommt dem Ganderkeseer CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralf Wessel das Ansinnen der Verwaltung vor. „Die Gemeinde hat in der Vergangenheit viele Bäume privater Grundstücksbesitzer unter Schutz gestellt. Jetzt will sie genau dasselbe tun, Bäume fällen um Geld für deren Schutz zu sparen.“ Nach wie vor sei die CDU gegen eine Baumschutzsatzung, aber für die finanzielle Unterstützung der Grundeigentümer beim Erhalt schützenswerter Bäume.
Klimawandel im Blick
Im aktuellen Fall müsse man auch wegen des Klimawandels Kosten und Nutzen abwägen. „Die Baumarten passen nicht an die Orte.“ Und weil die Sicherheit bereits leide, könne angesichts immer heftigerer Stürme niemand garantieren, dass sie nicht umfielen. „Wir sollten uns über klima- und standortgerechte Ersatzanpflanzungen Gedanken machen“, sagt Wessel.
