Ganderkesee - Mit ihrem Balkonkraftwerk hat die Gemeinschaft Klimaschutz Ganderkesee (GKG) nicht nur unerwartet einen Riesenschritt in Sachen Erzeugung von Solarstrom vor der eigenen Haustür getan. Die einfache Lösung, die Energiekosten einspart und zum Nachdenken über den eigenen Stromverbrauch anhält, stößt jetzt auch überregional auf immer größeres Interesse.
Balkonkraftwerke sind Mini-Solaranlagen, die ins Heimstromnetz gestöpselt werden. Die Stecker-Solaranlagen, auch Mini-PV oder Plug-In-Kraftwerk genannt, lassen sich auf Balkonen, Carports oder Terrassen anbringen und auch ohne feste Installation aufstellen.
An Kosten fallen etwa 600 Euro pro Anlage an. Das Kraftwerk rechnet sich in drei bis fünf Jahren und spart auch danach noch Stromkosten von rund 100 Euro im Jahr ein.
Erzeugter Strom fließt ins Hausnetz. Der Fokus liegt rein auf dem Eigenverbrauch.
Nach vier teils völlig überlaufenen Demonstrationstagen vor örtlichen Supermärkten oder Baustoffhandlungen sowie 200 Bewerbern für eine kostengünstige Sammelbestellung der nötigen Komponenten hat die Solargruppe der Gemeinschaft jetzt den Bürgermeister der Gemeinde Jade, Henning Kaars, über das Projekt informiert. Kaars ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft Jade. Auch für seine noch ausschließlich auf Windkraft spezialisierte Genossenschaft sei das Thema interessant. Langfristig, so der Ausblick, könnte in Ganderkesee aus der experimentierfreudigen Solar-Community eine echte Energiegenossenschaft entstehen. Helfen wolle er dabei gerne.
Wie wird die PV-Anlage aufgebaut ?
Wie technisch einfach der Aufbau ist, stellten Gerhard Lüllmann und Joachim Röer, den Freunde Jochen nennen, in Röers Garten vor. Zwei Solarmodule werden über einen Wechselrichter mit einer Einspeisesteckdose verbunden, von dort aus geht der Strom über einen Abzweiger direkt ins Hausnetz. Geübte könnten die Anlage ohne Fachfirma sogar selbst zusammenbauen.
Was steht dem Projekt im Weg ?
So simpel könnte es sein – wäre da nicht die Bürokratie. Die hatte Joachim Röer schon vor Jahrzehnten den Traum vom reinen Solarhaus verdorben. Grund: die im Bebauungsplan vorgeschriebene Firstrichtung war ungünstig. Dennoch wurde Röer zum Solar-Pionier: Er baute Module an verschiedenen Ecken des Hauses an. Diesmal seien es aber die Netzbetreiberin EWE-Netz und – was Förderungen betrifft – die Kreisverwaltung, die bremsten, erläuterte Lüllmann. So fordere die Netzbetreiberin bei der Anmeldung etwa Steuernummern, die Betreiber der Kleinst-Stecker-Kraftwerke gar nicht benötigten, da die Stromerzeugung gar nicht zu versteuern sei. Für seine gerade beendete Förderperiode hatte der Kreis auf Anträgen zuletzt Stempel von Elektrofachbetrieben eingefordert. Deren Einbindung sei laut VDE-Regelung aber nicht erforderlich.
Wie steht es um den Klimaschutz ?
Auch wenn noch einige dunkle Wolken über der kinderleichten Sonnenstromerzeugung in Garten oder Balkon hängen, das Thema haben die Mitglieder der Solargruppe über die Gemeindegrenzen hinweg bestens ins Rollen gebracht. Auch der Ganderkeseer SPD-Kreistagsabgeordnete Rainer Lange ist inzwischen interessiert. Und Jades Bürgermeister Kaars ist gar überzeugt: „Jeder Eigentümer oder Mieter kann nun daheim ganz wesentlich einen großen Schritt zum Klimaschutz beitragen. Das ist endlich auch was für den kleinen Geldbeutel.“
Dass es auf die Ausrichtung gen Süden heute nicht mehr ankomme, betonte Lüllmann. „Ost-West ist das neue Süden.“ Soll heißen: Anstelle des Einfangens einer maximalen „Sonnenschein-Stromausbeute“ rückt bei den kleinen steckerfertigen Anlagen das Stromerzeugen über einen möglichst langen Tagesverlauf in den Vordergrund. Denn Geld ist mit einer Nennleistung von 300 bis 600 Watt nicht zu verdienen. Auch Speicherlösungen sind zu teuer. Dafür kann die anfallende Grundlast – Heizungspumpen, Geräte im Stand-by-Modus, Kühlschränke oder Gefriertruhen – abgedeckt werden. Lüllmann denkt noch weiter: „Betreiber können sich übers Internet zu virtuellen Kraftwerken zusammenschließen.
