Ganderkesee - Szenario A, B oder C – oder doch eine Kombination aus verschiedenen Modellen? Der Schulbetrieb in Corona-Zeiten ist recht kompliziert. Was gilt jetzt in den Grundschulen – und wie kommen diese damit zurecht?
Seit dem 18. Januar läuft in Niedersachsens Grundschulen das Wechselmodell, also Szenario B: Die Klassen sind geteilt, die Schülerinnen und Schüler kommen abwechselnd zur Schule und lernen an den anderen Tagen zu Hause. Am 25. Januar trat zusätzlich die Möglichkeit der Befreiung von der Präsenzpflicht in Kraft, Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Grundschule in den Unterricht schicken oder bis zum 14. Februar im Distanzlernen unterrichten (Szenario C).
Alle Optionen nutzen
„Das hat für ziemlich viel Unruhe gesorgt im Kollegium und unter den Eltern“, berichtet Insa Nessen, Schulleiterin der Grundschule Dürerstraße in Ganderkesee. Gerade Eltern seien verunsichert und hätten das Gefühl, alles werde auf sie abgewälzt. „Keiner weiß, was richtig ist“, sagt Nessen.
Auch wenn nur knapp 20 Kinder abgemeldet worden seien, sei es schwierig für die Kollegen, alle im Blick zu behalten. Jeden Tag mit einer wechselnden Gruppe Präsenzunterricht, zugleich die andere Lerngruppe zu Hause mit Material zu versorgen, das sei eine unglaubliche Herausforderung. Es werde aber versucht, alle möglichen zur Verfügung stehenden Wege zu nutzen: die Lernplattform iServ, eine „Schleuse“ im Eingang der Schule, in der Material bereitgestellt wird, Telefonate, Videokonferenzen.
„Ich glaube schon, dass in den letzten Wochen und Monaten viel auf den Weg gebracht wurde, aber es ersetzt nicht den Unterricht vor Ort“, sagt Nessen. Sie und ihre Kollegen würden merken, dass den Schülern der Kontakt und direkte Austausch, auch mit den Lehrern, fehlt.
Individuelle Lösungen
Nur einen kurzzeitigen Mehraufwand sieht René Jonker, Schulleiter der Grundschule Lange Straße in Ganderkesee, durch den Wegfall der Präsenzpflicht. Auch wenn der schulische Alltag auf den Kopf gestellt ist, sei jetzt nicht die richtige Zeit, die Entscheidungen zu kritisieren: Denn auch die gesamte Gesellschaft sei auf den Kopf gestellt. Man müsse mit der Situation umgehen, wie sie ist.
Bei denjenigen Schülerinnen und Schülern, die in den Unterricht kommen, seien die Kollegen noch „nah dran“ durch den täglichen Wechsel. Mit denen, die im Homeschooling sind – nur wenige, wie Jonker sagt – gebe es vermehrt Telefonate und Videokonferenzen. Die Klassenlehrer würden versuchen, individuelle Lösungen zu finden, um mit den Kindern in Kontakt zu bleiben. Zum Teil seien auch schon Kinder von zu Hause per Video zum Unterricht zugeschaltet worden.
