Ganderkesee - Viele Schritte haben sie schon zurückgelegt und sind dabei auch auf viele Bedenkenträger zugegangen, die Planer des Bremer Projektierers wpd auf ihrem Weg zu einem Windpark im Hohenbökener Moor. Denn so manchen Kompromiss war das Unternehmen bereit, für das interkommunale Projekt auf Flächen der Gemeinden Ganderkesee und Hude einzugehen. Das beinhaltete sogar die Reduzierung der einst erhofften 13 Anlagen auf nunmehr lediglich zehn.
Denn der mit den Naturschützern der Nabu-Ortsgruppen Hude und Ganderkesee, sowie dem Fuhrenkamp-Schutzverein getroffene Artenschutz-Kompromiss zum Schutz gefährdeter Brutvogelarten im Nordteil des Moor-Areals, beinhalteten neben einer Verkleinerung der Gesamtfläche auch ein Ausweichen in Richtung Süden.
Erst Hürde gemeistert
Im Ganderkeseer Gemeindeentwicklungsausschuss (GEA) hatte das in reduzierten Form vorgestellte Projekt Anfang September eine erste wichtige Hürde genommen. Eine „bürgerliche Mehrheit“ von CDU, der Gruppe Freie Wähler/UWG und der FDP war mit acht Ja-Stimmen – und gegen ein zweimaliges „Nein“ sowie drei Enthaltungen – der Beschlussempfehlung der Verwaltung gefolgt, die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung des Bauleitplanverfahrens zu empfehlen.
Während die einzige stimmberechtigte Grünen-Vertreterin, Ratsfrau Annegret von Essen, damals klar dagegen stimmte, war das Bild in den Reihen der Sozialdemokraten gespalten. Die SPD-Ausschussmitglieder stimmten einmal mit Nein, drei jedoch enthielten sich.
Beratungsbedarf
Grund: Die in der Sitzung auftauchende neue Sachlage, nachdem die Grüne von Essen aus dem Nähkästchen geplaudert, und offengelegt hatte, dass der Landkreis Oldenburg bei seinen Erhebungen für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) wohl genügend Windkraft-Potenzialflächen festgestellt habe. Ein Eingriff in Landschaftsschutzgebiete, so wie im Hohenbökener Moor, sei unnötig. Mit ihrem daraufhin angemeldeten Beratungsbedarf hatten sich die Sozialdemokraten nicht durchsetzen können.
Auch der Verwaltungsausschuss sprach sich für den Antrag des Vorhabenträgers wpd auf Durchführung des Bauleitplanverfahrens aus. An diesem Donnerstag, 5. Oktober, stimmt der Rat auf seiner um 18 Uhr im Rathaus beginnenden, öffentlichen Sitzung final darüber ab. Eine Zustimmung sollte trotz des anfänglichen Zögerns der SPD wahrscheinlich sein – unerheblich vom Inhalt des erst zwei Tage später, nämlich am Samstag, 7. Oktober, den Mitgliedern der politischen Gremien vorgestellten Regionalen Raumordnungsprogramms und seiner Windkraft-Potenzialanalyse.
Nabu und BUND aus den Gemeinden Hude und Ganderkesee sprechen sich kurz vor der Ganderkeseer Ratssitzung für den Ausbau von Windenergie und den Moorschutz aus.
Die Naturschutzverbände betonen die ganzheitliche Betrachtung. Erneuerbare Energien, Natur- und Klimaschutz seien in Einklang zu bringen und sorgfältig abzuwägen. Die Bedeutung der wertvollen Marsch- und Moorlandschaft sei hierbei in Zeiten des Klimawandels besonders hervorzuheben.
Unverzichtbar
„Es ist für uns – SPD-Fraktion und Ortsverein – klar, dass wir Windenergie brauchen“, deutete SPD-Fraktionschef Ulf Moritz auf Nachfrage eine mögliche Zustimmung an. Auch bedeute ein Bauleitplanverfahren ja nicht den Bau des Windparks, sondern die Prüfung der Voraussetzungen dazu.
Doch das interkommunale Projekt scheint in zwei Geschwindigkeiten zu laufen. Während Ganderkesee Tempo an den Tag legt, hat die Huder Politik keine Eile. Mitte September vertagte der Huder Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt die Entscheidung und folgte dem Antrag von Karin Rohde (Grüne): Es soll zunächst abgewartet werden, welche Windkraft-Potenzialflächen vom Landkreis ins Auge gefasst werden.
