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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Ingo Voss: Ein Schulleiter von nebenan

13.07.2019

Die Sekretärinnen der Oberschule Ganderkesee können sich seit Anfang Februar glücklich schätzen, denn jeden Morgen hat ihr Chef schon für sie den Kaffee zubereitet. Diese zuvorkommende Person ist Ingo Voss, neuer Leiter der Oberschule Ganderkesee.

Die Entscheidung, sich auf die Stelle zu bewerben, hat Ingo noch zu keiner Sekunde bereut: „Ich bin stolz, der Schulleiter einer in jeder Beziehung schönen Schule zu sein, und das mit einem tollem Team. Hier passt wirklich alles!“, schwärmt der 43-Jährige. Auch der Anfahrtsweg von seinem Wohnort Hude zur Oberschule sei ein Katzensprung, verglichen mit früheren Wegstrecken.

Sechs Geschwister

Ingos Ursprünge liegen in Vechta. Seine Mutter kommt gebürtig aus Dresden, sein Vater aus Köln. Als Lehrer wurde dieser nach Norddeutschland an die Förderschule in Vechta versetzt. Familie Voss wohnte erst in Langförden, später in Vechta und machte den Begriff Großfamilie alle Ehre: Ingo war das zweitjüngste von insgesamt sieben Kindern. „Ich bin von meinen Geschwistern miterzogen worden“, sagt Ingo schmunzelnd.

Er konnte gerade laufen, da kannte er schon gefühlt jede Automarke. An Geburtstagen oder Weihnachten freute er sich am meisten über kleine Modellautos oder Bücher über Oldtimer. Diese Leidenschaft ist bei ihm bis heute geblieben. So erstaunte Ingo zum Antritt seiner neuen Stelle die Schüler und Kollegen, als er am ersten Arbeitstag mit einem hellblauen 67er VW Käfer 1300 zur Schule fuhr.

Laufen zum Abschalten

Seine Eltern fanden es aber eintönig, ihrem Sohn immer nur etwas mit Autos zu schenken, deshalb stand einmal auch ein Keyboard für ihn unter dem Weihnachtsbaum. „Ich spiele nicht nach Noten, sondern nach Gehör“, erklärt Ingo Voss. Mit dem Keyboard trat er in einer Schülerband auf und noch heute setzt er sich nach der Arbeit ab und zu ans Klavier: „Das benötige ich, um wieder runterzukommen.“ Eine andere Alternative, um abzuschalten, ist für Ingo Voss das Laufen: „Zehn Kilometer und das ohne Musik im Ohr, da kann ich meine Gedanken sortieren.“

Vielleicht denkt er dabei auch an seine eigene Schulzeit zurück, in der Ehrgeiz bei ihm nicht an der Tagesordnung war. „Ich hätte mehr tun können“, gibt Ingo zu. Nach seinem Realschulabschluss holte er auf dem Gymnasium das Abitur nach. Während andere Schüler oft keine beruflichen Vorstellungen haben, hatte Ingo Voss gleich drei: Arzt, Lehrer und natürlich Automechaniker. Während eines Schulpraktikums in einer Autowerkstatt wurde ihm dieser Beruf aber wenig schmackhaft gemacht: „Ich musste nur die Drecksarbeiten machen“, sagt Ingo.

Studium in Vechta

Nach dem Abitur leistete Ingo Voss zunächst 15 Monate Zivildienst bei den Johannitern in Vechta ab. „Das war eine schöne Zeit, die ich nie vergessen werden“, sagt Ingo noch heute. Anschließend begann er ein Lehramtsstudium an der Universität Vechta. Wer glaubt, dass „Hotel Mama“ der Grund für die Wahl der Uni war, der irrt: Ingo zog von zu Hause aus und in eine studentische Wohngemeinschaft. „Ich wollte auf eigenen Beinen stehen und musste feststellen, dass es nicht immer so einfach ist, jeden Monat das Geld für die Miete zu bekommen“, erinnert er sich.

So arbeitete er in der Gastronomie als Kellner oder Tellerwäscher, gab Computerkurse für Senioren und unterrichtete in der Justizvollzugsanstalt in Vechta. 2004 konnte Ingo Voss sein Studium mit dem Ersten Staatsexamen abschließen. Während seines Referendariats an der IGS Fürstenau stand er als Lehrer vor einer Klasse. „Hier habe ich auch den Spagat zwischen Zuckerbrot und Peitsche gelernt“, sagt Ingo.

Da es nach dem Zweiten Staatsexamen keine passende Stelle für ihn gab, leitete Ingo Voss zunächst kommissarisch das Bildungswerk in Vechta und arbeitete zusätzlich beim Europäischen Sozialfonds. Hier erkundetet er den Bedarf an Weiterbildung in Betrieben und war auch bei der Umsetzung behilflich.

Erst nach Nordenham

Beide Stellen waren aber befristet, und 2009 bewarb sich Ingo in ganz Niedersachsen auf eine freie Stelle als Lehrer. Von der damaligen Schulleiterin der Oberschule in Nordenham bekam er schon während seines Vorstellungsgespräches die Zusage, dort als Lehrer anfangen zu können. In den folgenden Jahren wurde Ingo Voss in Nordenham dann Konrektor, Direktorstellvertreter und kommissarischer Schulleiter.

In diesem Jahr schrieben die Oberschulen in Nordenham und Ganderkesee gleichzeitig eine Schulleiterstelle aus. Obwohl es Ingo in Nordenham gut gefiel, bewarb er sich in Ganderkesee – nicht zuletzt auch aufgrund der Nähe zu Hude. Dort hatte er sich nämlich mit seinem Lebenspartner niedergelassen. Anstatt jeden Tag 120 Kilometer zu fahren, liegt seine Arbeit jetzt quasi gleich nebenan.

Derzeit hat Ingo Voss, der in seiner Freizeit eine große Leseratte ist, das Buch „Wunderbare Jahre“ auf dem Nachttisch liegen. Die wird er sicher auch in Ganderkesee haben.

Dirk Wieting spricht mit Schulleiter

Ingo Voss

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