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Ganderkeseer Schuhhaus Denker feiert Jubiläum Gutes Handwerk ist auch nach 125 Jahren noch gefragt

Mit handgefertigtem Maßschuh in der Hand: Wilm Denker in der Schusterwerkstatt, in der auch Reitstiefel repariert werden.

Mit handgefertigtem Maßschuh in der Hand: Wilm Denker in der Schusterwerkstatt, in der auch Reitstiefel repariert werden.

Thorsten Konkel

Ganderkesee - Wilm Denker, Inhaber des Schuhhauses Denker an der Rathausstraße in Ganderkesee, blickt weit zurück: Als sein Urgroßvater Hinrich Denker senior Ende des 19. Jahrhunderts in Ganderkesee den ersten Schuhmacherbetrieb gründete, musste er nicht nur handwerkliches Geschick beweisen, sondern auch gut radeln können. Mit dem Rad nämlich fuhr er regelmäßig bis nach Bremen, um dort Material und Leder für die Fertigung von Schuhen zu kaufen. Das gab es vor Ort nicht, denn 1897 war Ganderkesee ein kleines, von Landwirtschaft geprägtes Dorf.

Über Land radelte Hinrich auch, um bei den Bauern die von der schweren Arbeit verschlissenen Schuhe oder ledernen Pferdegeschirre zu reparieren. Neue Schuhe wurden damals maßgefertigt. Und wenn sie mal kaputt gingen, ließen sie ihre Trägerinnen oder Träger immer wieder flicken. Schließlich kostete ein Paar stolze 11,20 Mark. „Nachhaltigen Konsum“ würde man das heute wohl nennen. Doch das ist lange her – und heute tritt an dieses Verhalten nur allzu oft kurzfristiger Konsum von ebenso kurzlebigen Modeartikeln.

Qualität hoch im Kurs

Dass es auch mehr als 100 Jahre nach der Gründung noch anders geht, will Denker beim Jubiläumsverkauf der Firma beweisen: In der ersten Augustwoche wird nicht nur der 125. Geburtstag des Traditionsbetriebs gefeiert. Auch die Qualität von Waren und Dienstleistungen stehen dann im Fokus. Repariert werden Schuhe – und vor allem Reitstiefel – bei Denker auch heute noch. Eben ganz so, wie in den drei Generationen vor ihm, deren Grundstein zum Erfolg Urgroßvater Hinrich einst durch seinen Fleiß legte.

Drei Jahre, nachdem Denker senior 1897 im Hause des Holzhändlers Bielefeld an der damaligen Bahnhofstraße, die heute die Rathausstraße ist, seinen Betrieb eröffnet hatte, zog die Familie schon in ein eigenes, neues Haus an der Bahnhofstraße um.

1933 dann übernahm mit Hinrich Denker junior die zweite Generation den Familienbetrieb. Das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Wohn- und Geschäftshaus, in dem sich heute die Kinderschuhabteilung befindet, wurde immer wieder umgebaut. Irgendwann war es aber zu klein. Im Garten entstand 1962 ein Neubau. 1971 erfolgte mit Magnus Denker als neuem Chef der Stabwechsel an die dritte Generation.

Wilm Denker bereitete sich ausführlich auf eine spätere Übernahme vor, erlernte den Beruf des Orthopädieschuhmachers, anschließend den des Einzelhandelskaufmanns, arbeitete eine Zeit in einer Markenschuhfabrik auf Malta und setzte dann noch den Betriebswirt obendrauf. Nach dem Firmeneintritt 1992 sollte es bis 2004 dauern, bis er den Laden von Vater Magnus übernahm. Maßschuhe fertigen der 51-Jährige und seine elf Angestellten heute nicht mehr. „Bei allein einer Woche Arbeitszeit für ein Paar würde diesen Preis heute niemand mehr zahlen“, sagt Denker.

Doch passen sollen Denkers Schuhe natürlich immer noch perfekt. Darum setzt Denker auf den Einkauf von Qualitätswaren und eine ausführliche Beratung.

Auch ein Online-Shop

Wer die Beratung vor Ort nicht braucht, kann sich auch aus Denkers Online-Shop bedienen, den der vorausschauende Kaufmann schon vor der Corona-Pandemie aufgebaut hat. Denn auch im Handwerk gilt: „Gehe mit der Zeit, sonst gehst du mit der Zeit.“ Der Traditionsbetrieb der Familie Denker ist diesem Motto treu geblieben.

Thorsten Konkel
Thorsten Konkel Redaktion Ganderkesee
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