Wildeshausen/Landkreis - Ab dem Sommer 2026 haben Kinder, die neu eingeschult werden, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. „Für die Vereinbarung von Familie und Beruf ist das ein deutlicher Schritt nach vorn“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling am Dienstagabend in der Wildeshauser Gildestube. Für Schulen und Schulträger indes bedeute das vom Bund auf den Weg gebrachte Gesetz, das die Länder jetzt umsetzen müssen, „eine Riesen-Herausforderung“.
Um insbesondere die Auswirkungen für die Kommunen zu beleuchten, war der Bildungsexperte der FDP-Landtagsfraktion nach Wildeshausen gekommen, wo der Bundestagsfraktionschef der Liberalen, Christian Dürr aus Ganderkesee, ihn anstelle der verhinderten Kreisvorsitzenden Imke Haake begrüßte. Den gut 20 Gästen, überwiegend aus der eigenen Partei, übermittelte Försterling die Botschaft, dass wenig Zeit bleibe und viele Fragen offen seien.
Was wird aus dem Hort?
Eine Frage, die in der Runde intensiv diskutiert wurde, war unter anderem, ob die Betreuung im Hort gleichgestellt wird mit der Betreuung in der Schule. Aus Sicht des liberalen Bildungspolitikers wäre es wünschenswert, dass die Kommunen selber festlegen, in welcher Form sie die Ganztagsbetreuung verwirklichen. Eine Hortlösung habe den Vorteil, dass damit auch die Randzeiten abzudecken seien. „Die Ganztagsschule ist spätestens um 15.45 Uhr vorbei“, sagte Försterling. Welcher Arbeitnehmer könne dann schon sein Kind abholen? Wenn allerdings Ganztagsbetreuung im Hort möglich ist, müssten die dort anfallenden Personalkosten auch über die Fördermittel gegenfinanziert werden. Denn im Gegensatz zum pädagogischen Personal in den Schulen werden Hortbeschäftigte von den Kommunen bezahlt.
Wer besetzt die Stellen?
Die vom Bund in Aussicht gestellte Finanzierung betrachtete Försterling insgesamt als angemessen: Für Niedersachsen würden rund 120 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen, damit lasse sich der Bedarf von etwa 2000 erforderlichen Stellen abdecken, sagte er. Zu klären sei aber, wie diese Stellen besetzt würden: ob mit pädagogischen Kräften oder mit Erzieherinnen und Erziehern – an beiden mangele es derzeit extrem. Wenn also bis 2026 entsprechendes Personal zur Verfügung stehen solle, so Försterling, müsse es jetzt ausgebildet werden.
Die Kommunen stünden vor drei großen Herausforderungen, erklärte der FDP-Bildungsexperte: Baulich müssten sie ihre Schulen auf den Ganztagsbetrieb ausweiten, die Fördermittel würden aber nur bis Ende 2027 gezahlt. Personell seien jetzt die Weichen zu stellen, um die fehlenden Fachkräfte heranzuziehen. Und in pädagogischer Hinsicht gelte es, die richtigen Konzepte zu entwickeln. Und die Zeit drängt.
