Brettorf/Wildeshausen - Adam Tirnna ist erleichtert. Jahrelang hat der 32-Jährige auf seine Einbürgerung gewartet. In kleiner Runde hat er am Donnerstag im Wildeshauser Kreishaus seine Urkunde entgegengenommen. Mit dabei waren Menschen aus der Gemeinde Dötlingen – die für Tirnna eine besondere Bedeutung hat.
In Köln gelandet
2014 kam er als Flüchtling nach Brettorf. Der gebürtige Sudanese war zunächst ehrenamtlich tätig, brachte sich als Flüchtlingshelfer ein, nahm einen Ein-Euro-Job beim Landkreis Oldenburg an. 2016 wurde er bei der Gemeinde Dötlingen als Migrationsbeauftragter eingestellt – mit einem zweijährigen Arbeitsvertrag. Eine Voraussetzung, um eingebürgert zu werden, sei jedoch ein unbefristeter Vertrag gewesen, erinnert sich Tirnna. Die Gemeinde sei schön, mit Einwohnern und Kollegen „konnte ich perfekt umgehen. Aber es ging um meine Sicherheit.“ Er fing an, Bewerbungen zu schreiben. Der damalige Bürgermeister Ralf Spille stellte ihm ein Zwischenzeugnis aus. Und dann meldete sich das Finanzamt für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung Köln.
Dank gilt „allen“
Nach sechs Monaten Probezeit teilte man ihm dort mit, dass er bleiben kann – unbefristet. Dafür ist Tirnna bis heute Vorsteherin Gabriele Jardin dankbar, „der Geschäftsstellenleitung und allen anderen Kollegen für die angenehme Atmosphäre und Unterstützung“.
Er denkt aber auch voller Dankbarkeit an die Menschen in der Gemeinde Dötlingen: an die 2018 verstorbene damalige Sozialamtsleiterin Elke Brunotte, die gesagt habe, dass sie ohne Tirnna nicht im Amt arbeiten werde. An Werner Knoll, der bis heute Fahrräder für Geflüchtete repariert, Margret Blanke und Familie, an seine ehemaligen Vermieter Anita und Uwe Brengelmann, an seinen ehemaligen Kollegen Timo Nesemann und „alle in der Gemeinde Dötlingen“.
Blanke begleitete den 32-Jährigen auch zur Einbürgerungsfeier, holte ihn vom Bahnhof in Osnabrück ab. Bei der Feier anwesend waren zudem Ralf Spille und Gabriele Roggenthien. „Eigentlich wollte ich fast alle Leute der Gemeinde Dötlingen einladen.“ Der ehemalige Bürgermeister und die Grünen-Ratsfrau seien zwei Menschen, die ihre Gemeinde Dötlingen „mit ganzem Herzen“ unterstützen würden. „Die Gemeinde Dötlingen hat mir die Basis meines zukünftigen Arbeitslebens in Deutschland geebnet.“ Dort habe er einen Teil der Lebensqualität in Deutschland kennengelernt.
Bei aller Erleichterung zeigt sich Tirnna dennoch enttäuscht darüber, wie lang er warten musste. „Das Einbürgerungsamt in Wildeshausen hat für meine Identitätsüberprüfung sehr viel unnötige Zeit verstreichen lassen.“ Hartnäckig sei hingegen stets Mitarbeiter Detlef Sänger geblieben, der bei der Urkundenübergabe ebenfalls dabei war.
Kontakt zur Mutter
In seinem Heimatland hält Tirnna Kontakt zu seiner Mutter, die sich sehr über seine Einbürgerung gefreut habe. „Du musst ein Foto mit den Deutschland-Flaggen machen“, habe sie sofort gesagt. Das tat er, als er Freitag in sein Kölner Büro zurückkehrte: Seine Kollegen hatten den Raum mit Flaggen dekoriert, Schokolade bereitgelegt und ein „Herzlichen Glückwunsch“-Schild aufgehängt.
