Gemeinde Ganderkesee - Warum können 300 fremde Menschen eng nebeneinander im Flugzeug sitzen, während bei einer Hochzeit nur maximal 50 Verwandte und Freunde mit ausreichend Mindestabstand feiern dürfen? Diese Frage stellt Uwe Vosteen, wenn es um neue Beschränkungen für Familienfeiern geht. „Wie das sein kann, dafür fehlt mir jegliche Fantasie“, sagt der Geschäftsführer des Hotels Backenköhler in Stenum.
„300 Leute dürfen mit Hautkontakt im Flieger sitzen, aber bei uns will man wieder einschränken“, ärgert er sich. Dabei seien doch vor allem die Urlauber für den Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jedoch hatte Anfang dieser Woche insbesondere Familienfeiern als potenzielle Infektionsherde gebrandmarkt und mehr Zurückhaltung gefordert.
Fast keine Hochzeit mehr
Dabei läuft das Geschäft der Gasthäuser, in denen vor der Corona-Pandemie Hochzeiten und andere große Feste gefeiert wurden, längst noch nicht wieder normal. Lediglich fünf von 103 geplanten Hochzeiten seien gefeiert worden, sagt Vosteen. Und das im kleineren Kreis: Nach den Corona-Regeln in Niedersachsen, die gerade noch einmal für zwei Wochen verlängert wurden, dürfen private Feste nur mit maximal 50 Personen gefeiert werden. „Das ist dramatisch. Wir haben riesige Umsatzeinbrüche.“ Wenn nun noch stärkere Beschränkungen für Familienfeiern kommen würden, werde es die Gastronomie irgendwann gar nicht mehr geben, befürchtet Vosteen.
Mit zweierlei Maß
Den Geschäftsführer ärgert, dass bei den Corona-Regeln unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden. „Wir möchten genauso behandelt werden wie die Urlauber und die Schüler“, sagt er mit Blick auf den geplanten Regelbetrieb in den Schulen. „Dass es nur zu unseren Lasten geht, ist unfair.“ Das Argument von Gesundheitsminister Jens Spahn, dass man nach drei Bier nicht mehr Abstand halten könne, entkräftet er: Bei einer Hochzeit seien die Leute nicht volltrunken. „Sie sind sehr vorsichtig.“
Kritik übt Vosteen auch an den Ministerien in Hannover. Neue Vorgaben würden erst wenige Stunden vor Inkrafttreten herausgegeben. Er fragt, warum nicht vier Wochen vorher bekanntgegeben werde, was in zwei Wochen gelten soll. Wer eine Hochzeit feiern wolle, müsse doch vier Wochen vorher Bescheid wissen. Wegen der schlechten Informationen gingen der Gastronomie nun auch noch die Umsätze für kleinere Feiern verloren, für die Vorlauf nötig sei. „Wir brauchen klare Ansagen.“
Düstere Aussichten
Auch Heinrich Sievers, Seniorchef im Gasthaus „Zur Linde“ in Grüppenbühren, gibt eine düstere Prognose ab: „Wenn es noch vier Wochen so weitergeht, können wir abschließen“, meint er. Große Hochzeiten und Feiern seien für den Betrieb das Salz in der Suppe. Doch nun würden auch die kleineren Geburtstagsfeiern abgesagt.
Partyservice-Betriebe sind von den Regeln für Feiern ebenfalls betroffen. Ralf Block aus Schlutter hat vor Corona Essen für Hochzeiten mit bis zu 500 Gästen geliefert. Auch Firmen bestellten beim Partyservice Block. Inzwischen gibt es nur noch wenige Aufträge für kleine Familienfeiern und Grillfeste. Früher habe er mit Aushilfen gearbeitet, sagt Ralf Block. „Jetzt mache ich alles alleine. Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden.“
