Hude - Das Büro im Huder Rathaus ist bunt geschmückt. Auf einer Wimpelkette steht „Dankeschön“. Die „1“ ist am Tischkalender aufgeklappt. Am vergangenen Mittwoch war der letzte Arbeitstag für Gundula Brunken in der Huder Gemeindeverwaltung. „Es fühlt sich erst einmal an wie in Urlaub gehen“, sagt sie. Der Resturlaub wird jetzt abgebaut. Am 1. November geht es dann offiziell in Rente. Nach 48 Jahren und drei Monaten – und sechs Chefs, die sie in dieser langen Dienstzeit hatte. „Ich wollte nie den Arbeitgeber wechseln, weil es mir hier gefällt“, betont die künftige Ruheständlerin.
35 Jahre im Sozialamt
Zusammengerechnet rund 35 von den mehr als 48 Jahren hat Gundula Brunken im Sozialamt gearbeitet. Nach ihrer Verwaltungsausbildung, die sie am 1. August 1974 im Huder Rathaus unter dem damaligen Gemeindedirektor Helmut Müller begonnen hatte, sei sie gefragt worden, welche Aufgabe ihr am besten liege. Und sie entschied sich fürs Sozialamt. Da war sie 18. Von 1976 bis 1993 war sie als Sachbearbeiterin im Sozialamt tätig und lernte die Arbeit mit den Menschen lieben. Für ein knappes Jahr wechselte sie in das Bauamt als stellvertretende Leiterin.
Als ihr Sohn geboren wurde, kam sie nach zehnmonatiger Erziehungszeit zurück und übernahm die Halbtagsstelle der damals hauptamtlichen Frauenbeauftragten. „Das wollte ich höchsten fünf Jahre machen, dann wurden es aber doch neun Jahre.“ Sie erinnert sich noch gut an die heftigen Diskussionen, als die Hauptamtlichkeit der Frauenbeauftragten aufgehoben wurde. „Ich habe mich erhobenen Hauptes abberufen lassen“, sagt Gundula Brunken.
Flüchtlingsbeauftragte
Sie ging zurück ins Sozialamt, dessen Bereichsleiterin sie seit 2006 ist. „Wenn man im Sozialamt arbeitet, dann muss man das wollen“, sagt Gundula Brunken. „Man muss zuhören können.“ Ruhe, Gelassenheit und auch eine Portion Lebenserfahrung gehörten dazu. Es sei nicht immer einfach gewesen. Aber wenn es dann doch mal Meinungsverschiedenheiten gegeben habe, seien diese ausgeräumt worden. Drei Flüchtlingskrisen waren zu bewältigen. Die Arbeit mit den Menschen vieler Nationalitäten, die in Hude als Geflüchtete strandeten, habe ihr immer Spaß gemacht. Zur ihrem Aufgabengebiet als Flüchtlingsbeauftragte gehörte auch die Anmietung und Verwaltung von Wohnungen für die Asylbewerber. Rund 48 Wohnungen sind es derzeit. Gundula Brunken kennt jede von ihnen. Sozial-, Senioren- und Rentenberatung gehörten zu ihren Aufgabengebieten, Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Sozialhilfe und vieles mehr. Als stellvertretende Ordnungsamtsleiterin kamen weitere Aufgaben hinzu, wie in den vergangenen Jahren im Zuge der Corona-Krise. Die Rentenberatung habe ihr immer besonders Freude gemacht. Das wolle sie ab dem nächsten Jahr auf Minijob-Basis auch fortführen.
Ur-Huderin
Brunken ist Ur-Huderin. Sie wurde im Klosterort geboren, ist hier aufgewachsen. Yoga und Line-Dance, Gospelchor und Kegeln sind ihre Hobbys. Und dann ist da der große Garten. Das Obst macht sie selber ein. Sie und ihr Mann Ralf wollen jetzt noch ein bisschen mehr Reisen und sich die Welt angucken, verrät sie über ihre Pläne im Ruhestand.
