Wildeshausen - Genau da, wo er das Licht der Welt erblickte, wohnt er immer noch: An diesem Donnerstag feiert Gerhard Lübben in seinem Haus in Zwischenbrücken seinen 90. Geburtstag – bei guter Gesundheit und mit großer Zufriedenheit. „Ich habe hier alles, was ich brauche, und mache noch so viel wie möglich selbst“, sagt der rüstige Rentner, der vor allem als Kaufmann mit seinem Laden in Wildeshausen stadtbekannt war und ist.
Tante Erna regelte alles
50 Jahre lang hat Gerhard Lübben in dem Lebensmittelgeschäft seiner Familie gearbeitet, zunächst ab 1950 mit seiner Oma, seiner Mutter und seiner Tante Erna Scheelje, die nach dem frühen Tod des Vaters und dem Wiederaufbau des 1945 abgebrannten Hauses die Familie durch die schwierige Zeit führte: „Eine ganz clevere Frau, die hat hier alles geregelt“, schwärmt Lübben noch heute von seiner Tante. 1958 übernahm er selbst den Laden, der sich später auf Milch und Molkereiprodukte spezialisierte. „Es waren gute Jahre“, blickt Gerhard Lübben zufrieden zurück. Das Geschäft lief, die Kunden hielten die Treue und die Produkte waren beliebt. „Sonntags haben wir Schlagsahne verkauft“, erzählt der Jubilar. „Da standen die Leute Schlange.“
Bis zum Jahr 2000 führte Gerhard Lübben den Laden in Zwischenbrücken, dann war Schluss – einerseits aus Altersgründen, aber auch, weil die Zeit für die kleinen Einzelhandelsgeschäfte lange vorbei war. Ein Nachmieter fand sich nicht, daher machte der Hausherr aus dem Geschäftsraum eine kleine Wohnung. Er selber wohnt weiter hinten im Haus und freut sich über den großen Garten zur Hunte hin. „Bei gutem Wetter bin ich jeden Tag im Garten“, sagt Lübben, der am liebsten Gärtner geworden wäre. Seine Verwandten meinten aber, er sei der Arbeit körperlich nicht gewachsen.
Gilde und Geschichte
Wenn Gerhard Lübben nicht im Garten arbeitet, sortiert er in seinem Haus, das einem kleinen Heimatmuseum gleicht, alte Fotos, Bücher und Schriften und plaudert mit seinem Freund Günter Meyer über das, was täglich so passiert. Bis vor Kurzem hat er an den Plattdeutsch-Runden im Mehrgenerationenhaus teilgenommen. „Was daraus wird, weiß ich nicht“, rätselt er nun nach der Schließung des Hauses. Außerdem ist Lübben Mitglied im Bürger- und Geschichtsverein und natürlich in der Wildeshauser Schützengilde. Und er ist das letzte Gründungsmitglied der Eisschollen-Wettgemeinschaft von 1962, die jedes Jahr Anfang Januar an der Landskrone in Zwischenbrücken prüft, ob die Hunte „geiht“ oder „steiht“. Gerade erst fand die Wette wieder statt. Der eine oder andere aus der Runde dürfte an diesem Donnerstag zum Gratulieren kommen.
