Hude - Dass auf dem Dachboden plötzlich bei genauerem Stöbern Dinge auftauchen, die lang als verschollen galten oder über viele Jahre einfach in Vergessenheit geraten waren, passiert wohl häufiger. Mal sind es alte Fotos, Spielzeuge der längst erwachsenen Kinder; oder – wie im Fall von Dr. Günter Alfs und Jürgen Boyn aus der Gemeinde Hude – Bücher. Bei diesen handelt es sich aber keineswegs nur um zwei, drei Romane, die man früher einmal gern gelesen hatte. Sie fanden so viele Exemplare der dreiteiligen Reihe „Huder Lesebuch“, dass ab Anfang November 60 Pakete der fast vergessenen Bände verkauft werden.
Rund 20 Jahre vergessen
Alfs ging davon aus, dass von den Büchern keines mehr existierte. Doch Anfang des Jahres entdeckte er eine Vielzahl des ersten Bands – in zweiter Auflage – auf seinem Dachboden. „Das Buch war damals ein Renner und schnell vergriffen“, sagt er. 1981 erschien es. Zehn Jahre später kam der zweite Band und 1995 schließlich der dritte heraus. Diese beiden Bände lagerten ebenfalls in großer Zahl – allesamt gut in Kartons verstaut – auf dem Dachboden von Boyn.
Wie lange die Bücher verschollen blieben, weiß Alfs nicht mehr genau. Er geht aber davon aus, dass es um die 20 Jahre sein könnten. Herausgegeben wurden die Bücher damals von der „Aktionsgemeinschaft für Hude“. Dieser Verein gründete sich 1976 aus einer Bürgerinitiative heraus, der noch bis 2013 als „kritischer Freund“ die Lokalpolitik begleitet hatte, erklärt Alfs.
Die drei Schwerpunkte der Arbeit des Vereins seien die Ökologie, die Infrastruktur und die Kultur der Gemeinde Hude gewesen, erklärt Alfs. Die Lesebücher waren somit nicht das Alleinstellungsmerkmal der Vereinsgeschichte. Sie geben dennoch einen ausführlichen Einblick in die Tiefen der Gemeinde Hude. So handelt es sich bei den ersten beiden Bänden überwiegend um eine Sammlung von Geschichten aus Hude und der näheren Umgebung.
Auf die Frage, woher eigentlich die Bezeichnung „Am Goldberg“ stammt, finden interessierte Leserinnen und Leser eine märchenhafte Erklärung, so Alfs. Außergewöhnliches und lange Vergessenes findet sich auch aus Holle, Lintel, Nordenholz oder im „Schlangenkönig vom Hasbruch“ wieder.
Der dritte Band ist für geschichtsinteressierte Menschen besonders interessant. Interviews und Gespräche mit Huder Bürgern zeigen vielfältige historische Aspekte der Gemeinde auf. Zudem werden in allen drei Bänden die Beiträge mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen illustriert.
Erlös für gute Zwecke
„Man sollte doch häufiger auf den Dachboden gehen und aufräumen“, lauteten die Worte von Alfs und Boyn, als sie Bürgermeister Jörg Skatulla die Reihe als Geschenk für das Archiv der Gemeinde Hude übergaben. Dieser sicherte direkt zu, in seiner freien Zeit darin zu lesen. Weitere Interessierte haben die Chance, die drei Bücher als Paket in der Buchhandlung „Lesen und Mehr“ (Parkstraße 30) und im „Tabacstore Wessel“ (Parkstraße 6) ab Anfang November zu ergattern.
Eine Wiederauflage sei nicht vorgesehen, erklären die Mitherausgeber Alfs und Boyn. Sie sagen aber: „Wir freuen uns sehr, diesen Schatz zu Weihnachten vor allem den Huder Bürgern anbieten zu können.“ Den Erlös werden sie Einrichtungen – ganz in Manier ihres einstigen Vereines – zugutekommen lassen, die sich für soziale und ökologische Ziele einsetzen und in der Gemeinde Hude verankert sind.
