Ahlhorn - Der Junge aus der achten Klasse sitzt mit einem gewissen Stolz hinterm Lenkrad des Sattelschleppers. Plötzlich ertönt ein lautes Signal. Die Lkw-Hupe macht Eindruck. Der Junge am Steuer grinst. Der Laster hat am Mittwoch vor dem Eingang der Graf-von-Zeppelin-Schule in Ahlhorn geparkt. Ein paar Meter weiter steht der begehbare Anhänger, in dem sich Schülerinnen und Schüler über die Ausbildung bei der Spedition Brüning informieren können. „Es gibt seit einigen Jahren einen Mangel an Lkw-Fahrern“, weiß Werkstattleiter Hannes Engl zu berichten. „Deshalb informieren wir über die Ausbildung zum Berufskraftfahrer, aber auch über unsere weiteren Ausbildungsmöglichkeiten.“ Brüning bildet Speditionskaufleute aus, Fachkräfte für Lagerlogistik, Kfz-Mechatroniker für Nutzfahrzeuge, Kaufleute für Büromanagement und eben Berufskraftfahrer. 110 Lkw hat die Ahlhorner Spedition am Start.
Zehn Unternehmen
Neben der Spedition Brüning sind neun weitere Unternehmen am Tag der Experten beteiligt gewesen: Treppen Wintermann, der Naturkost-Großhändler Kornkraft, die Landessparkasse zu Oldenburg, Beton- und Energietechnik Gräper, die Geflügelschlachterei Heidemark, der Energieversorger EWE, die Gemeinde Großenkneten, Anicon Labordiagnostik und die Firma Dr. Dietrich Müller, die Kunststoffprodukte herstellt.
„Den bisher letzten Tag der Experten haben wir 2019 durchgeführt, also vor Corona“, sagt Lehrerin und Koordinatorin für die Berufsorientierung, Imke Haake. Jeder der rund 80 Schülerinnen und Schüler habe sich drei Firmen aussuchen dürfen, bei denen er sich näher informiert. In diesem Schuljahr hätten erstmals wieder Praktika stattgefunden. Vorgesehen sei jeweils ein zweiwöchiges Praktikum in Klasse 8, 9 und 10. Die Berufsorientierung sei ein Schwerpunkt an der Oberschule.
Azubi informiert
Der 14-jährige Kevin hat sein Praktikum im Klärwerk in Ahlhorn absolviert. Dort werden Fachkräfte für Abwassertechnik ausgebildet. „Das hat mir gut gefallen. Ich werde versuchen, dort nächstes Jahr noch ein Praktikum zu machen“, erzählt er, während er im Werkraum ein Holzstück für eine Handyhalterung mit Schleifpapier bearbeitet. Dort werden die Jungen und Mädchen von Tischlermeister Felix Siemer über die Ausbildung bei Treppen Wintermann informiert. Mitgebracht hat der Ausbildungsbeauftragte seinen Lehrling Jan-Hendrick Paschen. Der 19-Jährige besuchte einst selbst die Graf-von-Zeppelin-Schule und kam über ein Praktikum zu seiner Ausbildung als Tischler.
Er empfiehlt jedem Schüler mehrere Praktika, um Erfahrungen zu sammeln. Paschen steht jetzt am Ende des zweiten Lehrjahres. „Wir können unsere Ausbildungsstellen noch gut besetzen“, sagte Siemer. Wintermann habe sechs Auszubildende in seinen Reihen. Und: „Tischler ist kein typischer Männerberuf mehr.“
