Groß Köhren/Dötlingen - In der nächsten Woche wird in Groß Köhren der erste Spargel der Saison gestochen. Die Vorbereitungen im von Sonja und Christopher Alfken geführten Familienbetrieb „Alfkens Hof“ laufen bereits auf Hochtouren – und sind in Zeiten der Corona-Krise deutlich komplizierter und umfangreicher als üblich.
Das Wetter
Die gute Nachricht vorweg: „Die Witterung ist gerade optimal. Der leichte Frost nachts macht dem Spargel nichts aus“, sagt Sonja Alfken. Die Natur spielt dem Betrieb in diesem Jahr also in die Karten – inwieweit es ein gutes „Spargel-Jahr“ wird, lasse sich aber noch nicht sagen. „Wir sind immer von äußeren Faktoren abhängig – dieses Jahr haben wir aber noch ganz andere Probleme“, sagt die Betreiberin.
Die Erntehelfer
Das Telefon steht bei Familie Alfken kaum still: „Viele haben jetzt Zeit und bieten ihre Hilfe auf den Feldern an“, sagt Sonja Alfken. Dafür sei man auch dankbar – allerdings sei die Arbeit mit einigen Hürden verbunden.
„Es ist sehr harte Arbeit, für die Mindestlohn bezahlt wird. Außerdem brauchen wir Leute, die bereit sind, bei Wind und Wetter, sechs Tage die Woche und mindestens acht Stunden am Tag auf den Feldern zu arbeiten – und das acht bis zehn Wochen lang“, erklärt Alfken die Anforderungen.
Es sei dem Betrieb nicht geholfen, wenn man Helfer für einen Monat habe – weil dann womöglich die Firmen wieder normal arbeiten können. „Dann kommen laufend Menschen von auswärts, so steigt das Risiko einer Infektion.“
„Ein paar Helfer sind schon bei uns vor Ort auf dem Hof“, sagt Alfken. Etwa zehn Personen sind in Groß Köhren bis Mittwoch eingetroffen – in der Hochsaison sind es aber 30 bis 40 Erntehelfer. „Wir hoffen, dass unsere Arbeiter, die meisten aus Polen, weiter nach Deutschland kommen können und wollen“, sagt Sonja Alfken Allerdings: Das Bundesinnenministerium teilte am Mittwochnachmittag mit, dass für Saisonarbeiter aus Großbritannien, Bulgarien, Rumänien, Polen und Österreich ab sofort ein Einreiseverbot gilt. Dieses solle aber so kurz wie möglich gehalten werden.
Vor Ort in Groß Köhren hat Familie Alfken bereits für die Saisonarbeiter vorgesorgt: „Die Zimmer werden nur einzeln belegt, wir haben Desinfektionsspender besorgt, das Essen wird geliefert“, zählt die 33-Jährige Landwirtin auf. So hätten die Erntehelfer keinen Kontakt nach außen, was das Risiko einer Infektion minimiert. Auf dem Feld bei der Arbeit sind die Erntehelfer ohnehin in gewissem Abstand zueinander unterwegs. „Das ist kein Problem“, sagt Alfken.
Der Verkauf
Der Hofladen und die Hütten öffnen wie immer. „Es wird Abtrennungen geben, Bodenmarkierungen, Desinfektionsmittel, die Möglichkeit, mit EC-Karte zu bezahlen“, zählt Alfken die Maßnahmen auf. Allerdings: Ob die Kunden das Angebot annehmen, müsse man abwarten.
„Außerdem ist die Gastronomie für uns ein wichtiges Standbein, die fällt nun zu 90 Prozent weg. Der Spargel geht nun auch in die Vermarktung,“ so Alfken. Ein Überangebot wird es dennoch vorerst nicht geben – schließlich müsse der Spargel erst einmal geerntet werden. An den 30 Verkaufsständen im Umkreis und im Hofladen hoffen die Verkäufer, dass die Kunden trotz der Krise vorbeikommen, um ihren frischen Spargel aus der Region abzuholen.
Spargelhof Dötlingen
Auch ein paar Kilometer weiter in Dötlingen ist die Situation angespannt. „Die Nachrichten vom Verband Deutscher Spargel- und Erdbeeranbauer ändern sich fast stündlich“, so Klaus-Dieter Ulrich vom Spargelhof Dötlingen. Doch langsam scheint etwas mehr Konstanz in den regularischen Rahmen zu kommen. Das ist auch notwendig, denn Spargelbauern wie Ulrich können ihre Ernte vergessen, wenn die Saisonarbeitskräfte, vorwiegend aus Osteuropa, nicht rechtzeitig zum Beginn der Ernte vor Ort sind. Dabei geht es um viel Geld.
„Die Kundschaft ruft schon täglich an, wann es denn nun losgehe“, verrät Spargelbauer Ulrich. „Die dürfen auch einreisen und über die Grenze, mit dem eigenen Pkw, aber viele haben einfach Angst vor dem Virus. Da müssen wir uns schon ein Stück ins Zeug legen, um sie zu überzeugen. Aber das Virus macht vor keiner Grenze halt“, ist Ulrich überzeugt. „Hier können sie wenigstens noch Geld verdienen.“
Doch mit Ernte ist aktuell noch nicht viel. Einige wenige Erntehelfer sind auf den Feldern, um den Spargel mit Folie einzudecken. Sie leben vollkommen abgeschottet, werden mit Essen und allem Notwendigen versorgt. „Niemand hat deshalb Zutritt auf unsere Felder. Der ist streng untersagt“, so Ulrich.
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Rund 40 Erntehelferinnen und -helfern werden benötigt, um die Spargelernte einzufahren und die Nachfrage nach Dötlinger Spargel befriedigen zu können. Außerdem drückt Ulrich auch der Schuh beim Ausliefern der Speisekartoffeln. Die Dötlinger Mühle beliefert Ketten wie Edeka und Rewe, aber auch den kleineren Einzelhandel. So können Dötlinger Kartoffeln unter anderem im Obst- und Gemüseladen von Erika Natenstedt gekauft werden.
„Die Nachfrage ist stark gestiegen. Die müssen wir auch befriedigen. Da weiß man manchmal schon nicht mehr, wo man zuerst anfängt und wo aufhört“, erklärt der Unternehmer. Damit allein sei das Team schon fast ausgelastet. „Da nützt uns auch eine Sonntagsfahrerlaubnis nicht viel. Irgendwann müssen unsere Leute sich auch ein Stück erholen und auf die eigenen Gesundheit achten. Sechs Tage am Stück sind da schon reichlich.“
Dennoch, der Spargel wird wohl auch in diesem Jahr nicht im Boden bleiben und vermarktet werden.
