Heute hat der Weihnachtsmann Großeinsatz und da er nicht überall sein kann, hat er viele Helfer vor Ort. Einer davon ist Reinhardt Kirchhoff aus Heide und das schon seit über 40 Jahren.

Heute lässt es der 70-Jährige ruhiger angehen, aber viele Jahre lang hatte er bis zu zwölf Einätze an Heiligabend. Dabei bescherte er nicht nur Kinder in seiner Heider Nachbarschaft, sondern in der ganzen Region: von Ganderkesee über Neerstedt bis hin nach Berne und Bardenfleth. „Einmal brachte Glatteis meinen Zeitplan total durcheinander. Als ich meine letzte Station hier in Heide erreicht hatte, lagen die Kinder schon schlafend im Bett. Sie wurden dann aber zur verspäteten Bescherung wieder geweckt“, erinnert sich Reinhardt.

Penibel bereitet er sich immer vor und dazu gehört auch seine „Dienstkleidung“. Da er einen schneeweißen Bart für einen Weihnachtsmann für unnatürlich hält, hat der Heider sich seinen Bart selbst aus Hanf angefertigt. An viele lustige Begegnungen erinnert sich der „Weihnachtsmann“ noch heute. „Kurz vor meinem Eintreffen meinte ein kleiner Junge noch ganz keck: Den Weihnachtsmann, den lass man kommen, ich habe keine Angst! Als ich eintrat, war dieser Junge vor Angst unter den Tisch gekrochen und kam auch nicht wieder hervor“, schmunzelt Reinhardt Kirchhoff. „Ich möchte am Heiligen Abend keine Kinder weinen sehen und daher soll bei den Infos, die ich im Vorfeld von den Eltern bekomme, auch immer etwas Positives dabei sein. Positiv ging es auch dann weiter: Einige Jahre leitete er sein „Honorar“, das die Eltern dem Weihnachtsmann zusteckten, an die Tschernobyl-Hilfe weiter.

Reinhardt Kirchhoff selbst hat seine Kindheit in Vielstedt verbracht. Schon früh verbrachte er viel Zeit auf den Bauernhöfen in der Nachbarschaft und es gab nichts Schöneres als Treckerfahren. Dadurch vergaß er oft die Zeit, was ihm zu Hause mächtig Ärger einbrachte. Gerne begleitete er auch seinen Opa auf Baustellen, wo dieser als Elektriker und Installateur im Einsatz war. Sein Großvater und auch sein Vater waren handwerklich sehr geschickt und da der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, benötigt Reinhardt bei sich im Hause selten einen Handwerker. Alte Motorräder bringt er ebenso wieder zum Laufen, wie auch alte Schreib- und Rechenmaschinen, die er vorher auf Flohmärkten erworben hat.

13 Jahre war Reinhardt Kirchhoff alt, als er seinen Schulabschluss hatte und bei Firma Ehemann in Delmenhorst eine Ausbildung zum Maschinenbauer begann. „Arbeitsbeginn war für uns morgens 5.30 Uhr und um 16.30 Uhr hatten wir Feierabend“, erinnert sich Reinhardt noch genau. Da er beim Amazone-Werk mehr verdienen konnte, wechselte er nach seiner Ausbildung nach Hude. Als die Bundeswehr rief und auf seine Dienste nicht verzichten wollte, verpflichtete er sich freiwillig für vier Jahre bei der Marine. Anschließend war er bei verschiedenen Firmen unter anderem im Rohrleitungsbau tätig.

Mit seinen handwerklichen Fähigkeiten und seiner Erfahrung konnte er sich 1980 gegen einige Mitbewerber durchsetzen und bekam eine Anstellung bei der Gemeinde Hude in der Kläranlage. Im selben Jahr holte er in Abendkursen seinen Realschulabschluss nach. 1999 ging die Kläranlage zum OOWV über. „Das ist der Rhythmus, wo man mit muss!“, schmunzelt Reinhardt. Einige Jahre war er im Personalrat und auch dessen Vorsitzender.

Als Reinhardt 1972 von zu Hause auszog, schaffte er sich einen Schäferhund an. Seit dieser Zeit kann er sich einen Tag ohne Hund nicht mehr vorstellen. 1975 war er Mitbegründer der Huder Ortsgruppe des Deutschen Schäferhundvereins und seit 1995 ist er deren Vorsitzender. Für diese ehrenamtliche Tätigkeit wurde Reinhardt Kirchhoff 2011 von der Gemeinde Hude beim „Tag des Ehrenamtes“ ausgezeichnet.

In Hude lernte er dann auch beim Bürgerfest 1984 seine Lebensgefährtin Erika Drusell kennen und schon ein Jahr später zog er zu ihr nach Heide. Hier war er viele Jahre im Orts-und Verkehrsverein Schönemoor aktiv, unter anderem bei den „Plattsnackern“. Reinhardt spricht nicht nur leidenschaftlich gerne Plattdeutsch, sondern übersetzt auch viele Geschichten vom Hochdeutschen ins Plattdeutsche. Und so strahlen seine Augen immer, wenn er sich als Weihnachtsmann von den Kindern ein Gedicht wünscht und zu hören bekommt: Wiehnachtsmann, kiek mi an / ’n lütten Jung bün ik man. / Veel to seggen heff ik ni, / Wiehnachtsmann, vorgeet mi ni.

Reinhardt Kirchhoff, Rentner aus Heide und alle Jahre wieder Weihnachtsmann