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nordwest-zeitung

Nachtrag zum Tag des Berges Wachtberg in Großenkneten knapp 50 Meter hoch

Imke Harms

Großenkneten - Als Jan Oltmann am Freitag, 11. Dezember, morgens aufwachte und auf sein Handy schaute – der 73-Jährige ist nämlich sehr technikaffin – da hatte er schon mehrere E-Mails empfangen. Darin stand: „Jan, sag mal, was hast du uns eigentlich immer in deinen Gästeführungen erzählt? Meintest Du nicht, der Wachtberg sei mehr als 50 Meter hoch?“ Jan Oltmann war irritiert, wusste gar nicht, worum es eigentlich ging. Ein Anruf klärte auf: „Ich habe erfahren, dass die NWZ zum Tag der Berge berichtet und ein Ranking aufgestellt hatte über die höchsten Erhebungen im Landkreis Oldenburg“, denkt Jan Oltmann zurück. Und der Wachtberg? Kam nicht vor. Dabei sind die zwischen Großenkneten und Sage gelegenen Hügel sogar 49,5 Meter hoch, wie Gerriet Suhrkamp vom Katasteramt in Wildeshausen flugs herausfand. Oltmann wandte sich an unsere Redaktion. Und nun bekommt der Wachtberg seine ganz eigene Geschichte.

Im 17. Jahrhundert

Etwa Mitte des 17. Jahrhunderts – die genaue Jahreszahl weiß der Ur-Großenkneter Jan Oltmann, der hier in der „Sager Schweiz“ geboren wurde, nicht – entstand der Wachtberg, ganz natürlich. „Hier war alles Heidelandschaft. Es liefen zusammengerechnet etwa 3000 Schafe herum – Massentierhaltung unter freiem Himmel“, sagt der 73-Jährige und muss lachen.

Die kleinen Hufe der vielen Schafe schmirgelten den sandigen Boden, so der Landwirt im Ruhestand, „und der Wind wehte den Sand umher.“ Durch diese Sandverwehungen türmte sich der Wachtberg nach und nach auf. Und woher stammt der Name „Wachtberg“? Oltmann ist geübter Gästeführer, schießt ohne nachzudenken los: „Der Name kommt von ,Wacht’. Der Wachtberg fügt sich ein in eine Reihe von Erhebungen: In Damme gibt es den Signalberg, dann steht der Kreuzberg so zwischen Lohne und Vechta und in Richtung Oldenburg der Tillyhügel: Darüber wurden damals Rauchzeichen gegeben, falls Gefahr drohte.“ Diese Berge dienten also quer durchs Land zur Kommunikation.

Doch der Wachtberg ist in der Sager Schweiz nicht die einzige Erhöhung. Es gibt auch noch einen 950 Meter langen historischen Sandfang – „der ist jedoch ein von Menschenhand gemachtes Naturdenkmal“, führt Oltmann mit einem Blick in die etwas zugewachsene Natur aus.

Historischer Sandfang

Etwa in den 1750er-Jahren haben die Bewohner der Gegend einen Flechtzaun aus Hölzchen und Pflöcken errichtet, um das wertvolle Ackerland, den Sager Esch, vor dem Versanden zu schützen. Etwa 40 Bodenpunkte bekommen diese Flächen heute, für den Landkreis Oldenburg ein sehr guter Wert. „Es haben sich immer größere Mengen Sand an dem Zaun abgelagert“, sagt Oltmann, während er auf dem Sandfang steht: 40 Meter ist er hoch, Büsche und Bäumchen darauf sind krumm und schief: „Als der Sandfang bepflanzt wurde, weideten die Schafe hier noch. Sie haben sich an den Pflanzensprösslingen verbissen, deswegen sehen die Bäume so demoliert aus“, berichtet Oltmann. Auch dafür hat er gleich den Fachbegriff parat: „Kratt-Eichen“ sind das. In seiner Jugendzeit, daran erinnert sich der 73-Jährige noch gut, sei er mit Freunden hier Schlitten gefahren. „Und Sand abbauen konnten die umliegenden Bauern auch ohne Genehmigung, wenn mal ein Weg zu matschig wurde.“ Das hat sich inzwischen erledigt. Der Sandfang steht unter Naturschutz.

In diesem Jahr gab es wenige Gästeführungen, normalerweise führt Jan Oltmann bis zu 300 Menschen im Jahr durch seine Heimat. „Kann nur besser werden“, sagt er und begibt sich wieder ins „Tal“. In der Schweiz ist es eben bekanntlich sehr bergig.

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