Großenkneten/Wildeshausen - Im Krandel-Stadion haben die Fußballer des VfL Wildeshausen in der Vergangenheit schon viele Erfolgsmomente erlebt, die ihr Trainer Marcel Bragula hinterher auch gerne mal als „magisch“ beschrieb. Ähnlich war es am Sonntagnachmittag – jedoch hatten die Wildeshauser für das Landesliga-Heimspiel gegen Spitzenreiter SV Hansa Friesoythe ihr fußballerisches „Wohnzimmer“ verlassen und auf den Kunstrasenplatz des TSV Großenkneten ausweichen müssen. Dort entzauberten die VfL-Kicker den haushohen Favoriten mit einem 2:1 (0:0)-Erfolg, was Bragula nach dem Abpfiff zur Aussage veranlasste: „Das war ein Krandel-Moment in Großenkneten.“

Diesen Moment erlebten der VfL und die rund 200 Zuschauer in der 89. Minute, als Michael Eberle von der linken Seite einen Flachpass in den Fünfmeterraum spielte. René Tramitzke war dort zu Stelle und schob die Kugel zum 2:1-Endstand über die Linie. Kurios: Fast exakt dieselbe Situation hatte es nur eine Minute zuvor schon einmal gegeben, allerdings hatte der reingrätschende Tramitzke da den Ball um Zentimeter verpasst.

„Das war ein unfassbares Spiel“, suchte Bragula hinterher weitere passende Worte. Tatsächlich hatte sein Team gegen Friesoythe eine ganz starke Vorstellung geboten. Schon in der ersten Halbzeit ging die Taktik, mutig mit drei Spitzen zu spielen und früh auf die Bälle draufzugehen, wie gewünscht auf. Die Hoffnungen auf die Überraschung erhielten ihren ersten großen Schub, als Steven Müller-Rautenberg in der 75. Minute einen Foulelfmeter zum 1:0 verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt war die Bragula-Elf schon spielbestimmend, obwohl sie kurz nach Wiederbeginn ihren bis dato besten Akteur verloren hatte. Maximilian Seidel hatte sich in einem Zweikampf schwer am Knie verletzt und musste ausgewechselt werden. „Das ist unheimlich bitter und überschattet natürlich das ansonsten tolle Spiel. Die Mannschaft hat auch für Maxi gekämpft“, betonte Bragula hinterher.

Seidels Ausfall steckten die Wildeshauser aber ebenso gut weg wie den Ausgleich, den Magnus Schlangen per Distanzschuss erzielte (82.). Denn auch nach dem 1:1 haute der VfL weiter alles rein – und belohnte sich schließlich mit dem verdienten Siegtreffer.

„Jetzt ist tatsächlich wieder alles möglich“, sagte Bragula mit Blick auf die Tabelle. Dort haben die Wildeshauser auf Rang sechs (20 Punkte) plötzlich wieder alle Möglichkeiten, um an TuRa Westrhauderfehn, Frisia Wilhelmshaven oder BW Papenburg noch vorzuziehen – und so die Meisterrunde (Platz 1 bis 4) zu erreichen. Das würde dann für den nächsten „Krandel-Moment“ sorgen...

Michael Hiller
Michael Hiller Redaktion Wildeshausen (Lokalsport)