Hundsmühlen - An den Wochenenden sind sie wieder im Oldenburger Land unterwegs: kleine und auch größere Grünkohltouren. Immer als wichtiges Transportutensil für Getränke und Süßigkeiten mit dabei sind Bollerwagen. Wir stellen in loser Folge einige Exemplare vor, die die ganze Bandbreite der Modelle zeigen.
Etwa 100 Jahre alt ist der Bollerwagen von Steffen Plötner. Zumindest in Teilen, denn die Zuggabel mit ihrem deutlich helleren Holz wirkt so, als wäre sie nachträglich montiert worden. Die mit Stahl ummantelten Holzräder und auch der Holzkasten haben dagegen deutlich Spuren der Zeit angesetzt. Der Hundsmühler wollte schon immer solch einen Bollerwagen haben. „Er sieht genauso aus wie unser Familienmodell, das mein Bruder besitzt“, erzählt er. Als er vor ein paar Jahren auf der digitalen Kleinbörse Ebay ein Bild des dort angebotenen Holzwagens stieß, fackelte er nicht lange und kaufte den Wagen einem Ganderkeseer ab.
Bremer Herkunft
Die Besonderheiten aus Sicht des Eigentümers: sehr viel antike Patina, keinerlei technischer Schnickschnack. „Fluchtwagen, Classic, Modell Urgroßvater Hinrich“, beschreibt Plötner ihn. Nur ein rotes Rücklicht muss irgendwann einmal nachträglich angeschraubt worden sein. Der Aufdruck an der Rückseite – A. Brandt, Bodenheimer Str. 58 – weist auf eine Firma hin, die vor langer Zeit in der Hansestadt Bremen, Ortsteil Neustadt, angesiedelt war, hat eine Recherche ergeben. „Möglicherweise wurde damit früher Kohle zum Heizen transportiert“, vermutet der 53-Jährige. Platz bietet die Ladefläche immerhin für fünf Bierkisten à 24 x 0,33 Literflaschen hat die Praxis gezeigt.
Reifen aus Stahl
Eine gewisse Nostalgieverliebtheit räumt der Hundsmühler selbst ein, aber es gibt auch objektiv gute Gründe, die für den historischen Bollerwagen sprechen. Auf den ersten Blick dächten viele Menschen, der Wagen sei besonders schwergängig und nur mit viel Kraft zu ziehen, erzählt er. „Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall. Die Stahlreifen haben so gut wie keine Reibung.“
Aufwendige Pflege benötigt der Oldtimer auch nicht, nur das Holz ist schon mal eingeölt worden. Bis auf zwei Termine im Jahr steht das Gefährt sowieso nur trocken im Schuppen.
Einen kleinen Nachteil hat der alte Bollerwagen dann doch: „Laut ist er. Es klappert und scheppert bei jedem Meter“, gibt Steffen Plötner zu. Das kann man aber auch anders sehen: Früh gehört zu werden, ist ja auch ein Sicherheitsfeature.
Bollerwagen, Modell "Urgroßvater Hinrich", mit Firmenaufdruck.
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Mit Stahl beschlagene Holzräder und ein rotes Rücklicht: Bollerwagen, Modell "Urgroßvater Hinrich".
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Steffen Plötner und sein Bollerwagen, Modell "Urgroßvater Hinrich".
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