Grüppenbühren - Tausende fahren hier täglich vorbei – dass sich keine zwei Meter neben der breiten Bundesstraße eine Idylle befindet, bemerkt jedoch niemand: „Der geheime Garten“, einen passenderen Namen hätten Elke Grape und Helmut Strodthoff für ihr grünes Paradies direkt hinter der Lärmschutzwand an der B 212 in Grüppenbühren nicht finden können. Nun möchte das Ehepaar das Geheimnis aber mit anderen Gartenfreunden teilen: Am Pfingstmontag öffnen die beiden ihren Garten im Zuge der Aktion „Garteneinblicke“, veranstaltet von der Gesellschaft der Staudenfreunde.
Seit vier Jahren gibt es die Lärmschutzwand an der Bundesstraße. Gebaut wurde sie, um die Emissionen zu beschränken, die vom Verkehr im gegenüberliegenden Gewerbegebiet ausgehen. Die meisten Anwohner begriffen die 80 Zentimeter breite Wand aus Kokosmatten, die dann begrünt wurde, als notwendiges Übel – Elke Grape hingegen erkannte darin früh eine Chance: „Schon bevor die Wand stand, hatte ich einen Plan für den Garten gezeichnet“, erzählt die 58-Jährige.
Der Garten von Elke Grape und Helmut Strodthoff liegt zwar direkt an der B 212, die Adresse ist aber Zur Hesterei 27. Parkfläche ist dort vorhanden. Geöffnet ist der Garten am Pfingstmontag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Nicht beteiligt an der Aktion „Garteneinblicke“ ist diesmal die „Stauden-Oase“ von Christa und Heinz Werner Tönjes in Bergedorf, Zur Feldhorst 11. Ihr Garten kann aber über Pfingsten ebenfalls täglich ab 10 Uhr besichtigt werden.
Vier Jahre später ist von den Kokosmatten nichts mehr zu sehen: An der Lärmschutzwand, die auf der Straßenseite nur drei Meter hoch ist, im zwei Meter tiefer liegenden Garten aber wie ein Steilhang wirkt, ranken Efeu und Knöterich empor, die gleich nach dem Bau vom Kommunalservice gepflanzt worden waren. Elke Grape hat aber einen großen Teil davon entfernt und durch eigene Pflanzen ersetzt – vor allem Rosen, aber auch andere Gewächse, die Abwechslung ins Grün bringen. Die „Garteneinblicke“ am Pfingstwochenende kommen für sie daher auch etwas zu früh: „In zehn Tagen, wenn die Rosen blühen, wird es noch schöner“, weiß sie.
Zwischen der fünf Meter hohen grünen Wand und der mehr als zwei Meter hohen Buchenhecke des Ehepaars Strodthoff/Grape, die vorher die Grundstücksgrenze bildete, liegt der „geheime Garten“ – 50 Meter lang und nur knapp drei Meter breit, eine grüne, überall üppig blühende Schneise, die aber kein bisschen schlauchartig wirkt. Dafür sorgt die vielfältige, abwechslungsreiche Bepflanzung mit unterschiedlichen Stauden. „Hier stehen allein 400 verschiedene Hosta-Sorten“, erzählt Elke Grape. „Ich habe den Garten so bepflanzt, dass immer irgendwo etwas blüht.“ Besonders gern hat sie auch rotlaubige Pflanzen, die Farbe in den Garten bringen – und gut zur überwiegend rostroten Gartenkunst passen, die an vielen Stellen für Abwechslung in all dem Grün sorgt.
Und mittendurch schlängelt sich ein schmaler, mit kleinen Feldsteinen eingefasster Weg, den Helmut Strodthoff angelegt hat. Der 64-Jährige ist seit jeher für die groberen Arbeiten zuständig: Er pflastert, mauert, gräbt und baut, während seine Frau sich vorrangig um die Pflanzenauswahl kümmert. Sie zieht auch selber Stauden, die sie auf Märkten in der Region anbietet. Die Märkte allerdings fielen in diesem Frühjahr wegen Corona aus, so dass Elke Grape mehr Zeit als sonst hatte, um ihren Garten für den Sommer herzurichten – und sich damit erstmals an der Aktion der Gesellschaft der Staudenfreunde zu beteiligen.
Dass die Pandemie sie nun auch zwingt, für Hygiene- und Abstandsregeln zu sorgen, nehmen Elke Grape und Helmut Strodthoff mit einer großen Portion Pragmatismus hin. Der Weg durch den „geheimen Garten“ wird als Einbahnstraße ausgeschildert, und der dahinter gelegene eigentliche Garten der beiden – der ebenfalls viel zum Schauen bietet – ist so weitläufig, dass stets ausreichend Abstand zu anderen möglich ist. Wie viele Besucher kommen, können die beiden ohnehin schwer einschätzen. Bisher war ihr Garten ja geheim.
