Harpstedt - Ist es Gülle oder Kartoffelschlempe? Seit Wochen wird in Harpstedt gerätselt, welche braune Masse da in Schächten auf dem Gelände der früheren Kartoffelschnapsbrennerei vor sich hin müffelt. Klarheit sollte die Untersuchung einer Probe des Materials bringen, die der Landkreis Oldenburg in Auftrag gegeben hat.
Für spätestens Freitag war das Ergebnis angekündigt, doch dann musste Pressesprecher Oliver Galeotti zurückrudern: Erst am Donnerstag sei die Probe bei der Landwirtschaftsuntersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) am Standort in Hameln angekommen, Untersuchungsergebnisse würden frühestens Anfang, eher Mitte der kommenden Woche vorliegen, erklärte Galeotti am Freitag auf Nachfrage.
Man habe wohl die Brisanz des Auftrages unterschätzt, das erfuhren die überraschten Landkreis-Mitarbeiter, die die Probe schon vor Tagen beim Lufa-Standort in Oldenburg eingereicht hatten, am Freitag.
Parallel zu der Probe des Landkreises wurde auf Initiative des Norddeutschen Rundfunks eine weitere Probe in einem privaten Labor in Delmenhorst untersucht. Am Freitagabend das Ergebnis: Die Probe weise erhebliche Mengen von Fäkalbakterien auf, Schlempe sei das nicht, Gülle eine mögliche Erklärung.
Unabhängig vom Ergebnis dieser Analyse wartet der Landkreis das Ergebnis der von ihm beauftragten Untersuchung ab. Handelt es sich um Gülle, wären die Mitglieder der ehemaligen Brennereigenossenschaft aus dem Schneider. Ein Mitglied hatte gegenüber der NWZ erklärt, sie hätten die Schächte auf dem Gelände geleert und gespült und die Schlempe, Reststoffe aus dem Brennprozess, ordnungsgemäß entsorgt. Fraglich bleibt in diesem Fall, ob die stinkende Masse vom neuen Besitzer, der Gülle-Bank Weser-Ems, oder von Dritten in die alten Schächte gepumpt wurde.
Zulässig, so die Aussage des Landkreises bereits am 9. Mai, wäre eine Lagerung von Gülle nicht, frühere Genehmigungen hätten keine Gültigkeit mehr.
