Landkreis/Delmenhorst - Wer im Kreis Oldenburg auf dem Bau arbeitet, bekommt jetzt für zurückgelegte Wege zwischen Betrieb und Baustelle eine Entschädigung von sechs bis acht Euro pro Tag. Das hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Nordwest-Niedersachsen (IG Bau) mitgeteilt. Arbeitende auf Montage, die nicht nach Hause fahren könnten, bekämen abhängig von der Strecke 18 bis 78 Euro pro Woche. Unberührt davon blieben das Kilometergeld für die private Anfahrt und Erstattungen für Bus- und Bahn-Fahrten. Aber was bedeuten die neuen Tarifregelungen konkret für Betriebe im Landkreis?
Teils eigene Initiativen
„Wir befassen uns damit, sind aber noch dabei, das auszuloten“, sagt Christian Kläner, Geschäftsführer von „Kläner Bau“ in Brettorf. Michael Meyer von „MMH-Bau“ in Prinzhöfte ist das Thema „Entschädigung“ derweil vor zwei Jahren selbst angegangen, wie er sagt: Er entschädige seine zwei Bauarbeiter „ab Abfahrt von zuhause“. Baustellen seien vom Betrieb aus im Umkreis von rund einer Fahrstunde erreichbar. Aber auch wenn Baustellen direkt neben dem Betrieb liegen, hätten Beschäftigte jetzt Anspruch auf sechs Euro Entschädigung pro Tag, sagt Christian Wechselbaum, Regionalleiter Weser-Ems bei der IG Bau.
Im Schnitt legen die 1350 Bauarbeiter im Kreis Oldenburg 51 Kilometer bis zur Baustelle zurück; inklusive Rückweg und hochgerechnet auf 200 Arbeitstage im Jahr ergibt das 27,6 Millionen „Baustellen-Kilometer“, was rund 688 Erdumrundungen entspricht: Das ist laut IG Bau das Ergebnis einer Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover. Die Fahrten seien „echte Zeitfresser“, so Carsten Burckhardt vom IG-Bau–Bundesverband, und die Arbeitgeber hätten sich „jahrelang“ gegen eine Entschädigung gesträubt.
„Zusätzliche Kosten“
Die Kreishandwerkerschaft Delmenhorst, die auch das Handwerk in Teilen des Landkreises Oldenburg vertritt, bestätigt die neue Tarifregelung, äußert sich jedoch ausweichend. Manche Betriebe hätten bereits interne Regelungen, sagt Geschäftsführer Sven Jochims. „Der ein oder andere Betrieb sagt vielleicht: Das sind zusätzliche Kosten, die kann man vielleicht gerade nicht stemmen.“ Man wolle sich aber „raushalten aus dem Tarifstreit, wir waren auch nicht involviert“. Herbert Oetken, Obermeister der Baugewerken-Innung, wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.
