Altmoorhausen/Hude - Seit Montag, 3. April, kommen die meisten Beschäftigten der Firma „Thom Glasbau GmbH“ in Altmoorhausen nur noch an vier Wochentagen zur Arbeit. Von Montag bis Donnerstag arbeiten sie nun jeweils eine Stunde länger, insgesamt aber mit 38 Wochenstunden zwei Stunden weniger – bei gleichem Gehalt. „Wir wollen unsere Mitarbeiter damit motivieren, zu bleiben – und wir wollen neue Mitarbeiter gewinnen“, begründet Buchhalterin Saskia Berger diesen Schritt. Ihr sei im Umkreis „keine Firma im Handwerk“ bekannt, die ähnlich agiere. Kann ihr Betrieb anderen ein Vorbild sein?
Freier Freitag
Vier Wochen zuvor habe man die Idee der Vier-Tage-Woche in kleiner Runde aufgeworfen, später alle acht Mitarbeiter einbezogen. Die Reaktion laut Berger: „Auf jeden Fall, lasst uns das machen.“ Den freien Freitag könnten die Beschäftigten künftig für private oder Arzttermine nutzen, die sonst zwischendurch erledigt werden mussten. Im Unternehmen sei der Wochentag wiederum ohnehin „nicht so produktiv“ gewesen; um für Kunden dennoch erreichbar zu sein, arbeite eine Bürokraft freitags im Homeoffice.
Die Maßnahme ist nicht die erste angesichts des Fachkräftemangels in der Glaserei, die „seit Ende 2022 auf der Suche“ nach neuen Mitarbeitern ist: Firmenfitness, Bikeleasing, Sonderzahlungen auf Montage und Tankzahlungen zählt Berger auf. Einen Meister und einen, bestenfalls zwei Gesellen benötige man zurzeit. Auch Metallbauer – ein verwandtes Handwerk – könnten prinzipiell einsteigen.
Eine Vier-Tage-Woche sei prinzipiell auch in anderen Handwerken möglich, glaubt Berger. Die körperlich schwere Arbeit der Glaser eine Stunde länger am Tag zu bewältigen, sei jedenfalls laut den Beschäftigten „machbar“. Wichtig für die Umstellung sei, eine gute Struktur zu schaffen – „vielleicht auch ein anderes System, eine andere Arbeitsaufteilung“. Zentral sei jedoch „ganz viel Kommunikation mit den Mitarbeitern“.
Bei Auszubildenden könnte die Vier-Tage-Woche allerdings teilweise schwierig umzusetzen sein: Sofern sie minderjährig sind, dürften sie am Tag nicht so lange arbeiten, wie es die Pläne der Glaserei vorsehen; sie müssten in Vollzeit also womöglich weiterhin fünf Tage arbeiten.
Ausprobieren
Statt lange zu schnacken, habe man bei Thom Glasbau beschlossen, das neue Arbeitsmodell „einfach mal auszuprobieren“, sagt Saskia Berger. Man wolle „zeigen, dass explizit im Handwerk Veränderungen notwendig sind, um die Zukunft zu sichern“. Nach zwei Monaten und nochmal Ende Oktober wolle man die Auswirkungen bewerten.
Im Winter, wenn es nicht mehr so lange hell ist, warten neue Herausforderungen. Aber erste Lösungsansätze, um die verlängerten Arbeitstage aufrechtzuerhalten, gebe es, sagt Berger: etwa eine zeitweise Auftragsverlagerung auf den Innenbau und/oder den Einsatz von Strahlern während der Randzeiten.
