Harpstedt - Die Corona-Pandemie hat auch die Abläufe im DRK-Seniorenzentrum Harpstedt auf den Kopf gestellt: Kompletter Lockdown ohne Besuchsmöglichkeiten, angepasste Hygienekonzepte, schrittweises wieder Öffnen – dies alles musste oft innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden.
Wie sind die aktuellen Regeln? Wie fühlen sich die Bewohner? Und was sagen die Mitarbeiter in der Pflege zu der Umstellung? Ein Einblick in die Einrichtung, in der 71 Bewohnerinnen und Bewohner in zwei Wohnbereichen leben.
Die Regeln
Seit Mitte August richten sich die Besuche nach den 3G-Regeln und sind inzidenzunabhängig. Im Vorraum des Seniorenzentrums wird an Tafeln auf die Regeln und eine Registrierung per Luca-App oder Zettel hingewiesen. Wer hinein möchte, muss klingeln: Die elektrische Glas-Schiebetür ist geschlossen. „Nach draußen öffnet sich die Tür automatisch, aber hinein kommt man nur manuell“, erklärt Hellen Müller, die seit 2014 Heimleiterin ist. Für Besucher gilt eine generelle Maskenpflicht.
Ist der Gast durch die Schiebetür eingetreten, erkundigt sich eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter nach dem Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis. Für letztere gebe es eine Liste, sodass bei Folgebesuchen kein Vorzeigen nötig sei.
Aktuell führe die Einrichtung zu bestimmten Zeiten Schnelltests durch, sagt Hellen Müller. „Mehr als 90 Prozent der Angehörigen, die oft herkommen, sind geimpft“, sagt sie. Ähnlich hoch sei die Quote bei den Heimbewohnern und Mitarbeitern.
Die Bewohnerin
Gisela Haake wohnt seit März 2020 im Seniorenzentrum, kennt dieses also fast nur unter Pandemie-Bedingungen. Im vergangenen November war sie von einem Corona-Ausbruch in einem der beiden Wohnbereiche betroffen, hat ihre Covid-19-Erkrankung aber gut und mit nur milden Symptomen überstanden. Als „viel angenehmer“ bezeichnet die 71-Jährige die aktuelle Situation. Ab und zu bekäme sie Besuch oder werde von ihren Kindern zum Kaffeetrinken abgeholt. Dazu telefoniere sie jeden Tag mit ihrer Tochter, spreche mit ihr über Alltagsgeschichten.
Vor dem Frühstück halte sie oft einen Klönschnack mit der Hausreinigungskraft, erzählt Gisela Haake. „Das Reden tut gut“, sagt sie und erinnert sich an die Zeit, als sie isoliert war: „Ich habe mich eingesperrt gefühlt – aber die Schwestern und Pfleger waren sehr lieb und verständnisvoll. Sie haben mir nie das Gefühl gegeben, allein zu sein.“
Der Mitarbeiter
„Die Zeit ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen“, sagt Stationsleiter Mike Bruns mit Blick auf die dreieinhalb Wochen während des Ausbruchs im vergangenen November. FFP2-Masken, Schutzbrillen, Ganzkörperanzüge, Handschuhe sowie Desinfektionsmittel waren an der Tagesordnung
Die Situation sei bedrückend und sehr intensiv gewesen: „Bei jedem positiven Testergebnis hat man Angst bekommen, wie es sich entwickelt“, sagt der 49-Jährige, der seit August 2003 in dem Seniorenzentrum arbeitet. Zum Glück sei die Erkrankung bei den meisten Bewohnern gut ausgegangen.
Mittlerweile seien die Abläufe wieder routiniert. Geimpfte Mitarbeiter würden zweimal wöchentlich getestet, nicht geimpfte täglich – je einmal pro Woche gebe es einen PCR-Test.
Dass die Angehörigen wieder zu Besuch kommen können, sei eine „Erleichterung“, sagt Mike Bruns. Nur die Maske störe weiter – gerade bei Menschen mit Demenz, weil sie viel aus der Mimik lesen würden. Dennoch: „Ohne Maske fühle ich mich teilweise schon nackt“, sagt er und lacht. Die Leichtigkeit kehrt – zumindest teilweise – in den Alltag zurück.
